Bryan Smith: Haus des Blutes

haus des blutesBuchreihe: Horror-Taschenbuch 51
Festa Verlag, Leipzig, 03/2013
Taschenbuch, Horror, ISBN: 978-3-86552-195-8, 416 Seiten, 13,95 EUR
Aus dem Amerikanischen von Doris Hummel
Titelbild: Shutterstock
www.festa-verlag.de
www.thehorrorofbryansmith.blogspot.de
www.shutterstock.com

„Dream zog das Haus vollkommen in seinen Bann. Sie war sich der Bedrohlichkeit bewusst, die es ausstrahlte, aber es rief auch noch etwas anderes in ihr wach; ein namenloses Verlangen, das ihr Herz zum Rasen brachte. Sie öffnete die Fahrertür und streckte eins ihrer langen Beine ins Freie.“

STORY
Zehn Jahre nach ihrem Schulabschluss will ein Gruppe Twens ihre Highschoolzeit wieder aufleben lassen und einige ausgelassene Tage in Key West verbringen. Als Dreams Freud sie dort ausgerechnet mit einem Mann betrügt, findet die Reise ein vorzeitiges Ende. Gemeinsam mit ihrer Freundin Alicia, dem Sonderling Chad und dem Pärchen Karen und Shane ist Dream auf der Heimfahrt, als die ohnehin aufgeladene Stimmung im Auto eskaliert und sie zwingt, vom Highway abzufahren. Doch sie ahnen nicht, dass sie in den Wirkungskreis des „Meisters“ geraten sind, dessen Kreaturen sie durch den Wald hetzen, bevor die verbleibenden Reisenden plötzlich unerwartet vor einem Herrenhaus stehen, in dessen Innerem die Gesetzte der Realität aufgehoben sind.

„Die Gestalt auf dem Bett schläft unruhig. Die Nacht hier ist reich an quälenden Träumen. Das sind sie immer. Dieses Haus ist ein riesiges Depot der Albträume. Selbst in der Luft hängen Spuren vergangener Qualen …“

MEINUNG
Gespannt verfolgt man anfänglich die Dialoge der Gruppe und die Eskalation der Situation, die die Reisenden zwingt, sich eine Zeit lang zu trennen, um Dampf abzulassen. Hier beweist Smith schon in seinem Debütroman das Talent, seinen Figuren wirkungsvoll Profil zu verleihen. Ebenso praktiziert er schon hier eine Technik, die er auch in seinen späteren Romanen beibehält, nämlich die Figuren zu trennen und an verschiedenen Fronten agieren zu lassen. Chad gerät in den Bann einer Sklavin, die jedoch alles daran setzt in der internen Hierarchie aufzusteigen. Auch auf Chads Kosten. Dream, die eine unerklärliche Verbundenheit mit dem Haus verspürt, steht bald dem Meister höchstpersönlich gegenüber, der in ihr eine verwandte Seele zu erkennen glaubt und eine Chance sieht, seine restlichen Tage mit einem ebenbürtigen Wesen zu teilen. Ferner hat sich in den Untiefen des Hauses – um die Person eines gewissen Lazarus, bei dem es sich um einen totgeglaubten Sänger handelt – eine Gruppierung gebildet, die nur auf die Gelegenheit wartet, einen Putsch gegen den Meister zu führen.

Alles ganz schön ambitioniert in Bryan Smiths Debütroman und auch originell. Die Umsetzung jedoch schlingert nach einer gelungenen Exposition zunehmend ziellos in Richtung Belanglosigkeit. Nach der Trennung der Charaktere wird die Geschichte so wirr und unzusammenhängend, dass man nach und nach das Interesse an der Story und schließlich sogar an den Figuren verliert. Da verführt der Meister Dream mit dem Aussehen eines Filmstars und seinen unglaublichen Fähigkeiten, bis sich ihre Gedanken nur noch im Kreis drehen, während sich im Keller des Hauses ein wahres Ghetto samt bewaffneten Aufpassern wie aus einem Kriegsfilm ausbreitet, durch das Chad mit seiner neuen Herrin völlig planlos stolpert. Auch erweist sich der Meister selbst – immerhin die angeblich omnipotente treibende Kraft des Bösen hier – als altersmüder Hierarch, der vor einer attraktiven Mittzwanzigerin wehrlos einknickt. Doch möglicherweise ist der Meister auch nur vorgeschoben, denn der Epilog verweist schon auf die Fortsetzung HERRIN DES BLUTES (ist für Mai 2013 bei Festa angekündigt).

Insgesamt enthält HAUS DES BLUTES einfach zu viele Elemente die nicht zusammen passen, den Roman ausbremsen und sich auch noch völlig belanglos in Wohlgefallen verabschieden (z.B. die Formwandler). Dass Bryan Smith es besser kann, hat er z.B. mit TODESGEIL (Festa-Verlag) bewiesen.

Als Covermotiv wurde ein Stockfoto verwendet, das zwar keinen Bezug zum Inhalt hat, aber seine Wirkung – im Zusammenspiel mit dem Bryan Smith-Layout – nicht verfehlt. Wie üblich ist das Taschenbuch in Festa-Lederoptik gefertigt und es gibt qualitativ nichts auszusetzen.

FAZIT
HAUS DES BLUTES verfügt immerhin über einen „catchy“ Beginn, auch wenn sich die weiteren Teile nicht zusammenfügen wollen. Dadurch verliert der Roman zu viel von seiner anfänglichen Intensität.

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