Ralph E. Vaughan & Markus Winter: Die Zeitmaschine

shc_02Sherlock Holmes Chronicles, Fall 02
Winterzeit Studios, Remscheid, 2013
2CD, Krimi, ISBN: 9783943732238, 148 Min., 14,95 EUR
Sprecher: Till Hagen, Tom Jacobs, Peter Groeger, Frank Glaubrecht
Musik: Alexander Schiborr, Markus Winter, Kevin McLeod
Covermotiv: Mark Freier

Nach Charakteren von Sir Arthur Conan Doyle

www.winterzeitstudios.de

www.tomjacobs.info

www.freierstein.de

www.blitz-verlag.de

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„In der Mitte des riesigen Arbeitsraums glänzte im Schein einer einzigen schwach flackernden Gaslampe eine Maschine, wie sie die Menschheit bisher noch nicht gesehen hatte. Sie bestand aus einer stattlichen Anzahl poliert er Messingteile, geschliffenen Kristallglas, glitzernden Edelsteinen und unendlich kompliziert verzahnten Rädern, wie sie der Prophet Hezekiel gesehen haben könnte.“

STORY

Unheimliche bleiche Gestalten, genannt die „East-End-Geister“, sorgen in diesem verrufenen Stadtteil Londons für Angst und Schrecken. Stehen sie mit dem „Verschwinden“ im Zusammenhang, dem spurlosen Abhandenkommen von Personen, das dort zur Zeit ungewöhnlich oft passiert? Gemeinsam mit Inspektor Charles Kent ermittelt Sherlock Holmes im Fall des ebenfalls verschwundenen William Dunning und gerät dabei auf die Spur eines Wissenschaftlers, der an der Universität sehr empfänglich war für die Idee einer vierten Dimension, der Zeit, in der es ebenfalls möglich sein sollte, sich wie in den bekannten drei Dimensionen zu bewegen. Außerdem zeigt ein geheimnisvoller Fremder ebenfalls starkes Interesse am „Verschwinden“. Wenn Holmes Deutung der Zeichen der Wahrheit entspricht steht nicht weniger als das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel.

„Der Gestank aus den Beinhäusern. Eine besiegte, unterdrückte Menschheit, die in die Dunkelheit hinein schlurft. Das ewige Murmeln und Schluchzen der höllischen Maschinen tief unten. Die weiße geflügelte Sphinx, die sich unter den brodelnden schwarzen Wolken über die Ruinen Londons erhebt. Das Triumphgeheul der Morlocks.“

MEINUNG

Ebenso wie „Sherlock Holmes“ wurde auch H. G. Wells „Die Zeitmaschine“ schon des Öfteren mit anderen Motiven kombiniert. In Karl Alexanders „Flucht ins Heute“ (OT: „Time after Time“) beispielsweise verfolgt H.G. Wells mit der Maschine den Prostituiertenmörder Jack the Ripper, der ins Jahr 1979 geflohen ist. Der Roman wurde von Nicholas Meyer (der auch einige Sherlock Holmes-Pastiches verfasst hat) unter dem Titel „Flucht in die Zukunft“ (OT: „Time after Time“) verfilmt.

In der Hörspielumsetzung fallen einige Unzulänglichkeiten des zugrunde liegenden Romans kaum mehr ins Gewicht bzw. wurden maßvoll abgemildert, wie etwa der komplette Verzicht auf Holmes Chronisten Watson, der hier als omnipräsenter Erzähler der SHERLOCK HOLMES CHRONICLES natürlich immer „an Bord“ ist. Auch die großartige Geräusch- und die eigens produzierte Musikuntermalung tragen bei, die an sich etwas unrunde Geschichte in Form zu halten und andere Schwerpunkte zu setzen. Grandios gelungen ist z.B. die Fanfarenbegleitung, als sich Holmes ein zukünftiges London unter der Herrschaft der Morlocks vorstellt. Mit den perfekt eingesetzten Mitteln des Hörspiels gewinnt die Hörspielumsetzung dieses Crossover-Pastiches gegenüber dem Roman von Ralph E. Vaughan also wesentlich an Atmosphäre und Dramatik. Nichtsdestotrotz wirkt auch hier das Finale des Romans – sobald dieser den einigermaßen sicheren Boden des viktorianischen Londons verlässt und in reine SF-/Fantasy-Gefilde startet – hoffnungslos überladen.

Da offenbar nicht jeder Holmes-Anhänger ein Freund des Phantastischen ist, entschloss das Label Winterzeit, zukünftige Folgen mit einer phantastischen Thematik, in eine eigene Reihe – SHERLOCK HOLMES PHANTASTIK – auszulagern.

Für die Umsetzung des Romans innerhalb der SHERLOCK HOLMES CHRONICLES hat sich das Studio Winterzeit (vermutlich in Zusammenarbeit mit dem Blitz Verlag, wo die zugehörigen Romane erscheinen) einige Freiheiten gegenüber der Vorlage genommen. Die augenfälligste Änderung ist, dass für die SHERLOCK HOLMES CHRONICLES eine zeitliche Abfolge und einen Zusammenhang der Geschichten etabliert wird, der in den zugrunde liegenden Romanen nicht gegeben ist. So ist SHERLOCK HOLMES UND DIE ZEITMASCHINE der erste Roman der zugrunde Buchreihe SHERLOCK HOLMES – DIE NEUEN FÄLLE aus dem Blitz Verlag, dort gefolgt von DIE MORIARTY LÜGE während die Reihenfolge in den SHERLOCK HOLMES CHRONICLES umgekehrt ist. COILS OF TIME, wie „Die Zeitmaschine“ im Original heißt, wurde außerdem im Jahr 2005 von dem Amerikener Ralph E. Vaughan verfasst, der kaum Kenntnis von J. J. Preyers Roman DIE MORIARTY LÜGE aus dem Jahr 2012 gehabt haben dürfte (es sein denn, er hätte eine Zeitmaschine). Im vorliegenden Hörspiel wird dagegen mit einigen eröffnenden Szenen zeitlich direkt an DIE MORIARTY LÜGE angeknüpft. In der Sherlock Holmes-Timeline passt das wieder, denn der Fall „Moriarty-Lüge“ ist direkt vor Arthur Conan Doyles Geschichte DAS LEERE HAUS (Holmes Rückkehr nach seinem vermeintlichen Tod an den Schweizer Reichenbachfällen) platziert, „Die Zeitmaschine“ direkt danach.

Wie schon bei SHERLOCK HOMES UND DIE MORIARTY-LÜGE wird auch SHERLOCK HOLMES UND DIE ZEITMASCHINE als „inszenierte Lesung“ betitelt, was schlicht einer der größten Untertreibungen aller Zeiten ist. Auch hier hat man es eher mit einem sorgfältig inszenierten Hörspiel mit großartigen Sprechern zu tun. Allen voran ermittelt „Holmes“ Till Hagen diesmal mit „Inspektor Kent“ Frank Glaubrecht (JOHN SINCLAIR) an seiner Seite. „Watson“ Tom Jacobs fungiert hier lediglich als Erzähler. Ebenfalls ein Aspekt, der gegenüber dem Roman geändert wurde, um eine inhaltliche Einheitlichkeit in die SHERLOCK HOLMES CHRONICLES zu bringen. Peter Groeger, der hier Sir Reginald Dunning spielt spricht selbst den Dr. Watson in der Sherlock Holmes-Serie von Maritim sowie in SHERLOCK HOLMES – DIE NEUEN ABENTEUER von Romantruhe Audio.

FAZIT

Großartiges Hörspiel, das einige konservative Holmes-Fans aufgrund der Thematik verprellen könnte. Alle anderen werden über knapp drei Stunden hervorragend unterhalten.

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