Frank W. Haubold: Götterdämmerung 2 – Das Todes-Labyrinth

gc3b6tterdc3a4mmerung2Atlantis Verlag, Stolberg, September 2013
Taschenbuch im Überformat, Science-Fiction/Mystery, ISBN: 978-3-86402-121-3, 276 Seiten, 13,90 EUR
Covermotiv und -gestaltung: Timo Kümmel

http://atlantisverlag.files.wordpress.com

http://www.frank-haubold.de/

http://timokuemmel.wordpress.com/

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„Er erkannte, wie widersprüchlich seine Motive waren und welche Unwägbarkeiten dem Erfolg der Mission entgegenstanden. Das änderte nichts an seiner Entschlossenheit, aber allein das Fehlen jeglicher Ablenkung und die offene Sicht auf bislang verdrängte Risiken führten dazu, das er sich der Schwachstellen seiner Planung bewusst wurde. Die geringe Feuerkraft der „Hemera“ war nur eine davon …“

STORY

Noch immer befinden sich Raymond Farr – nun als Zivilist – und seine Mannschaft mit der „Hemera“ auf der Suche nach der verschwundenen „Nemesis“ unter Kommandantin Miriam Katana. Dazu verlässt die „Hemera“ das Föderationsgebiet durch den interstellaren Transferpunkt „Iron Gate“. Gleich nach dem Durchgang nimmt ein Schiff der menschenähnlichen Sikhaner Kontakt auf und bietet der Mannschaft der „Hemera“ Hilfe in Form einer äußert wirkungsvollen Waffe an. Obwohl Farr nicht an eine uneigennützige Geste glaubt, nimmt er das Geschenk an. Auch danach scheint jemand den Weg und die Geschicke der „Hemera“ von außen zu lenken. Außerdem verdichten sich die Anzeichen einer bevorstehenden Konfrontation für die die Menschheit denkbar schlecht gewappnet ist.

Miriam Katana und die Mannschaft der „Nemesis“ gerät derweil vom „Letzen Haus der Welt“ in ein tödliches Labyrinth, wo sie ohne ihr Wissen die Hilfe des deutschen Lyrikers Rainer Maria Rilke erhalten, der in einem isolierten Refugium außerordentlich Fähigkeiten entwickelt hat.

„Der Dichter wusste nicht, in wessen Auftrag die Streitmacht unterwegs war, aber er hatte eine Vermutung. Nach waren die Elemente des Puzzles nicht vollzählig, das Bild jedoch, das sich aus den vorhandenen abzeichnete, war beunruhigend genug.“

MEINUNG

Nach dem epischen Auftakt der Götterdämmerung in DIE GÄNSE DES KAPITOLS erwartet man vielleicht, dass Autor Frank W. Haubold im zweiten Teil das Erzähltempo etwas anzieht, wie man es nach erledigter Exposition erwarten könnte. Doch auch Teil 2 der philosophisch angehauchten Space-Opera fließt angenehm unaufgeregt voran.

Ohne Brüche werden die verbleibenden Handlungsstränge aus GÄNSE – Raymond Farrs Suche nach Miriam Katana und der Nemesis in der ständigen Ungewissheit, ob ein Gestaltwandler an Bord ist, Miriams surrealen Erlebnisse unter Beobachtung des Dichters Rilke, dem es möglich ist, Dinge aus dem Nichts zu erschaffen (was endlich die rätselhafte letzte Szene von Teil 1 erklärt) und die Nachforschungen von Raymonds Freund Johnny Varley nach den Hintergründen der Ereignisse – weiter geschrieben, jedoch auch ohne sich zu berühren. Bereits die abwechselnde Verfolgung dieser ohnehin komplexen Einzelhandlungen fordert dem Leser einiges an Konzentration ab. Neue Ereignisse, Erkenntnisse und Begegnungen machen den Roman schließlich vollends zu einem schwer überschaubaren Sammelwerk parallel ablaufender Ereignisse, zumal sich auch am Ende noch immer keine Zusammenführung oder Auflösung abzeichnet. Dabei sind die Ideen, die Frank Haubold hier verwendet – z.B. wird der Dichter Rainer Maria Rilke zum omnipotenten Joker in der Handlung um Miriam Katana, während Raymond Farr unter anderem eine Begegnung mit einem Jim Morrison-Klon hat – bei aller scheinbaren Unvereinbarkeit durchaus stimmig in die Gesamtgeschichte eingewoben, obschon sie diese stark in Richtung Surrealismus drängen. Doch schon in Band 1 war GÖTTERDÄMMERUNG nicht gerade von den nüchternen, wissenschaftlich-logischen Aspekten der SF geprägt. Der oft gebrannte Mystery-Fan hofft natürlich, dass hinter all dem ein ausgereifter Plan steckt, der sich im geplanten dritten (Abschluss-)Band offenbart.

Ganze Arbeit hat wieder Grafiker Timo Kümmel geleistet, der ein Wraparound-Cover fabriziert hat, das das Mahnmal der Schlacht von „Jouyous Gard“ zeigt, den heiligen Georg der in einem Kerzenmeer gegen den Drachen kämpft als Installation zwischen den Sternen.

FAZIT

Auch wenn einige Szenen drohen, den Leser abzuhängen ist DAS TODESLABYRINTH als mittlerer Teil einer Trilogie eine anspruchsvolle und lohnenswerte Sache, für alle, für die SF nicht gleichbedeutend mit Raumschlachten und Technobabbel ist. Ohne die Kenntnis von Teil 1 allerdings nicht zu verstehen.

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