The Lords of Salem

The-Lords-of-Salem-DVD-Cover-FSK-16Originaltitel: The Lords of Salem, USA, 2012
Alliance Films, Automatik Entertainment, Blumhouse Productions, Haunted Movies, IM Global
Universal Pictures Home Entertainment, Hamburg, 31.10.2013
1 DVD im Amaray Case, Horror/Okkult, FSK 16, 97.
Min
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Darsteller: Sheri Moon Zombie,  Richard Lynch,  Bruce Davison, Meg Foster,  Ernest Lee Thom
Regie & Drehbuch: Rob Zombie
Produktion: Jason Blum, Rob Zombie, Andy Gould, Oren Peli, Steven Schneider

http://robzombie.com/

http://www.uphe.de/

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STORY

Heidi LaRox (Sheri Moon Zombie), DJane bei einem angesagten Lokalsender in Salem, Massachusetts, erhält eines Tages eine Schallplatte der Band „Lords“ in den Radiosender zugestellt. Als die Platte über den Äther geht, entfaltet die Musik bei den Frauen von Salem eine hypnotische Wirkung. Am meisten gerät jedoch Heidi selbst unter den Bann der Musik. Von da an wird sie von Träumen heimgesucht, die schließlich auch in Form von albtraumhaften Visionen in ihre Realität einbrechen.

Der lokaler Geschichtsforscher Francis Matthias (Bruce Davison), der in Heidis Radiosendung zu Gast ist, findet heraus, dass die „Lords“ ein Zirkel von sechs Hexen waren, die Besitz von dem Frauen Salems ergreifen wollten und von Richter John Hawthorne gestoppt wurden. Sie starben auf dem Scheiterhaufen, nicht jedoch ohne einen Fluch gegen Hawthorne und seine Familie zu richten. Nun ist Heidi, bei der es sich m eine Nachfahrin Hawthornes handelt, von den Lords auserwählt, ihnen einen neuen König zu gebären. Immer mehr gerät Heidi zunächst unbewusst in den Bann des Hexenzirkels und verliert zusehends die Kontrolle über sich und ihr Leben. Bei einem Konzert der „Lords“ soll Heidi endgültig die auserwählte Mutter des Teufelskindes werden.

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© Universal Pictures

MEINUNG

Rob Zombie, Musiker und – inzwischen anerkannter – Filmemacher lässt den klassischen Okkultthriller wieder aufleben. Dabei macht er den Terror und den erhöhten Bodycount früherer Werke fast vergessen und setzt vermehrt auf eine beunruhigende Atmosphäre die sich bedrohlich hochschaukelt.

Die Story an sich ist klassisches Okkultkino, eine Mischung aus sich verdichtender ungreifbarer Bedrohung und der Erdung durch die rationalen Nachforschungen von Francis Matthias, die freilich wenig Beruhigendes zutage fördern. Die eher getragene Erzählweise und einzelne, sich weiderholende Kameraeinstellungen (z.B. gleichförmige Kamerafahrten auf Hüfthöhe durch einen leeren Flur) des Films erzeugen – sofern man sich darauf einlässt – einen hypnotischen Sog, der immer wieder von teils surrealen Schreckmomenten unterbrochen wird. Dabei sieht und ahnt der Zuschauer stets etwas mehr als das Hexenopfer Heidi, was dem Film auch auf der Suspenseebene sehr zuträglich ist. Außerdem wird Heidi sehr eindringlich durch ihr Umfeld, ihre Kollegen/Freunde im Radiosender und ihr Apartment (eingerichtet in einem genialen SF-Art-Deco-Stil) charakterisiert. Etwas, das in modernen Horrorfilmen regelmäßig zu kurz kommt.

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© Universal Pictures

Dazwischen „schaltet“ Rob Zombie immer wieder in die Vergangenheit, in der der namensgebende Hexenzirkel auf dem Scheiterhaufen brennt ohne jedoch hier Ekel- oder CGI-Effekte (siehe das EVIL DEAD-Remake) bemühen zu müssen und damit Gefahr zu laufen, die angestaute Spannung unfreiwillig verpuffen zu lassen. Wäre die Protagonistin Heidi nicht äußerlich – tätowiert, mit Nerdbrille und Dreadlocks – so sehr in der Gegenwart verankert, man könnte annehmen, einen Film aus den 1970ern zu sehen. Entscheidenden Anteil daran haben auch die durchgehend wunderbar handgemachten Effekte.

Als Heidi LaRox/Hawthorne überzeugt Zombie-Weibchen Sheri Moon Zombie, seit THE DEVILS REJECTS sichtbar gereift, doch immer noch ziemlich sexy als Berufsjugendliche mit blonder Rastamähne. Als Hexen, die Heidi unter Beobachtung halten, geben sich drei Ikonen des (B-)Horrorfilms ein Stelldichein. Meg Foster (STEPFAHTHER 2, LEVIATHAN, SHADOWCHASER, SIE LEBEN), Dee Wallace (DAS TIER, CUJO, E.T., CRITTERS) und Patricia Quinn (THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW). In diesem Reigen fehlt eigentlich nur Adrienne Barbeau. Als Geschichtsforscher Francis Matthias gefällt der gern gesehene Altstar Bruce Davison. Cameos haben Michael Berryman (THE HILLS HAVE EYES) und Sid Haig (DAS HAUS DER 1000 LEICHEN, THE DEVIL’S REJECTS).

Im Produzentenstab findet sich u.a. Oren Peli der als Regisseur mit PARANORMAL ACTIVITY eine neue Welle der Found-Footage-Horrorfilme ausgelöst hat und als Produzent u.a. an CHERNOBYL DIARIES, INSIDIOUS und THE BAY beteiligt war.

Unter all diesen Gesichtspunkten kann man THE LORD OF SALEM tatsächlich als perfekten Horrorfilm bezeichnen, mit dem sich Rob Zombie endgültig als begnadeter Regisseur etabliert, der sowohl Atmosphäre, wie auch Aufbau und Timing perfekt beherrscht. Wurde er für die Kapriolen seines Erstlings DAS HAUS DER 1000 LEICHEN noch teilweise belächelt, hatte er gleich mit der Fortsetzung THE DEVIL‘S REJECTS einen schnörkellosen und intensiven Terrorfilm par excellence abgeliefert. Und obwohl er bei seinem HALLOWEEN-Remake (inkl. Fortsetzung) nicht gänzlich freie Hand besaß, bewegt sich dieses auch weitab der weichgespülten Fließbandremakes von „Platinum Dunes“. Mit THE LORDS OF SALEM lässt er nun die Hochzeit des filmischen Okkult-Horrors wieder auferstehen und beweist, dass er auch ohne übertriebene Gewaltdarstellungen fesselnd unterhalten kann. So ähnelt Rob Zombies Arbeitsweise durchaus der von Quentin Tarantino, nur dass hier die ironische Brechung fehlt.

Die Musik, die den Fluch in die Gegenwart transportiert, klingt wie ein langsam gespielter Loop aus  Velvet Undergrounds „Venus in Furs“. Die Inspiration durch die Band scheint nicht von der Hand zu weisen zu sein, denn Zombie verwendet eben „Venus in Furs“ und „All tomorrow‘s Parties“ in Schlüsselszenen des Films.

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© Universal Pictures

FAZIT

Rob Zombie hat verstanden, wie ein wirkungsvoller Horrorfilm aussehen muss: Verstörend und sich stetig steigernd,  ohne Kastenteufel-Killer und sonstige Gewaltorgien. Vollkommen treffend beschreibt er selbst seinen Film so: „Als hätte Ken Russell SHINING gedreht“.

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