A. M. Arimont: Improbus

ImprobusSelbst verlegt über Amazon CreateSpace, 05. August 2014
Taschenbuch, Horror/Thriller/Kurzgeschichten, ISBN: 978-1-5007-3869-3, 96 Seiten, 4,99 EUR
Covermotiv von Barelko über Fotolia.de
Covergestaltung: Andy Leroy

https://de-de.facebook.com/arimont.andreas

www.fotolia.de

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“An der linken Wand war ein großes Metallregal angebracht, an dem unzählige Werkzeuge hingen, diverse Sägen, Hämmer in allen Größen, Bohrer Meißel. Das Prachtstück hatte einen würdevollen Platz in der Mitte des Regals: eine metallisch silberglänzenden Kettensäge. […] In einer Ecke des Raumes standen Besen, Wischmopp, Eimer und zwei kleine Kanister irgendeiner Chemikalie.“

(Morgendämmerung)

Morgendämmerung

Ein ganz normaler Morgen in der Krähenberger Allee. Wie jeden Morgen ist der Zeitungsjunge pünktlich, führt der Nachbar seinen Hund aus und brechen die Berufstätigen zur Arbeit auf. Und wie jeden Morgen – nachdem er den neuen Tag begrüßt hat – begibt sich Hr. Kleefeld in seinen Keller, legt einen Latexanzug an und kümmert sich um seine Patienten

Tunnelblick

Akribische Vorbereitung, Unauffälligkeit und Geduld sind das A und O in seinem Job. Ein Job wie jeder andere. Aufträge, die erledigt werden müssen. Schließlich muss er eine Familie ernähren, die er liebt. Auch wenn seine Frau im Glauben lässt, dass er Versicherungen verlauft. Doch manchmal geht trotz gewissenhafter Vorbereitung etwas schief.

Durch die Nacht

In der Nacht, in der ein Verrückter aus einer Anstalt ausbricht, eröffnet Steven seiner Freundin Catherine, dass er sie wegen einer Jüngeren Frau verlässt. Ihren Gedanken nachhängend fährt sie Ziellos durch die Nacht und bemerkt erst im letzten Augenblick, dass ihr Benzin zur Neige geht. In letzter Minute erreicht sie eine Tankstelle.

Kneipengeschichten

Im gewohnten Freitagabendtrott, zwischen Stammgästen und Wochenend-Gejammer, betritt plötzlich ein Fremder die Kneipe, setzt sich an den Tresen und gibt eine Geschichte zum besten über ein verschobenes Projekt, einen vorgezogenen Feierabend und wie er seine Frau mit einem anderen im Bett erwischt hat. Auf den Barhocker neben sich platziert der Fremde eine ausgebeulte Plastiktüte.

Der Weihnachtsbaum

Christine muss am Heiligen Abend für ihre erkrankte Kollegin an der Kasse einspringen, während ihr Mann Steffen zuhause mit den Kindern den Weihnachtsbaum schmückt. Doch der Feierabend kommt und Christine macht sich auf den Heimweg. Nun trennen sie nur noch 15 Minuten vom Weihnachtsfest mit ihrer Familie.

„Als der Wagen sich langsam in Bewegung setzte, blickte Mike, immer noch mit einem zufriedenen Lächeln, kurz auf die Rückbank. Augenblicklich verschwand sein Lächeln. Was war das? Er konnte nur Konturen von etwas erkennen, es war zu dunkel. War da jemand auf der Rückbank? […] Er blickte dem Wagen, der sich nun schneller entfernte, hinterher.“

(Durch die Nacht)

MEINUNG

Wie viele Self-Publisher KollegInnen zuvor nutzt auch Andreas Arimont die Möglichkeiten der Quasi-Direktvermarktung über Amazon. Nachdem die Kurzgeschichte MORGENDÄMMERUNG bereits 2013 für den Kindle erschienen ist, schob der Autor mit IMPROBUS (lat. für schlecht, boshaft) eine kleine Sammlung mit fünf Kurzgeschichten nach, die sowohl für den Kindle wie auch als Druckbuch über Amazon CreateSpace zu haben ist.

Sympathischerweise macht der Autor keinen Hehl daraus, dass die Initialzündung für eine Storyidee bei ihm oft von außen kommt. Im Nachwort nennt er zum Beispiel Großmeister Stephen King, dessen MORGENLIEFERUNGEN ihn zu MORGENDÄMMERUNG inspiriert hat. Weiterhin treffen wir hier auch auf die allseits bekannte moderne Legende des Killers auf dem Rücksitz (DURCH DIE NACHT) und sogar auf einen makabren Kneipenwitz (KNEIPENGESCHICHTEN) als Ideenlieferanten. Einiges davon erweist sich für den erfahrenen Horror-Aficionado als vorhersehbar, manches jedoch – durch an sich ganz simple Storywendungen – als tatsächlich überraschend. Durch die Bank gestalten sich allerdings alle fünf Geschichten als überaus unterhaltsam und handwerklich überraschend souverän dargeboten. Der Autor hat sowohl das Erzähltempo wie auch seine Figuren – und damit natürlich auch den Leser – außerordentlich gut im Griff. Als besonders eindringlich erweist sich die Abschlussgeschichte DER WEIHNACHTSBAUM, bei der A.M. Arimont diese Stärke voll ausspielt. So gibt es auf der erzählerischen Ebene überhaupt nichts auszusetzen und ich würde mich über weitere Geschichten von A. M. Arimont durchaus freuen.

Dass IMPROBUS doch teilweise enttäuscht liegt an der ernüchternden Präsentation. Zwar sieht das Schriftbild auf den ersten Blick ganz ordentlich aus, jedoch tauchen vereinzelt Hurenkinder auf. Außerdem wirkt das reinweiße Papier billig und unschick. Was jedoch stärker wiegt sind die teils üblen Rechtschreibfehler, die bezweifeln lassen, dass das im Impressum genannte Korrekturbüro das Skript tatsächlich gelesen hat. Enthalten sind typische Fehler einer automatischen Rechtschreibprüfung, z.B. „indem“ statt „in dem“. Und was ist denn bitte ein „dreizigster Geburtstag“ oder „Sammelbänder“? Genau solche Flüchtigkeitsfehler sind für den miesen Ruf der Selfpublisher verantwortlich, die gerne vorgeworfen bekommen, mit ihren Büchern nur den schnellen Euro machen zu wollen und dafür die Qualität hintenan zu stellen. Als zahlender Leser fühlt man sich damit geprellt.

Sieht man dagegen das semiprofessionelle, doch absolut wirkungsvoll gestaltete Cover von IMPROBUS, möchte man in Sachen schlampiges Korrektorat keine Absicht unterstellen. Lieber Hr. Arimont, vielleicht klappt die Präsentation das nächste Mal besser. Ihre Geschichten hätten es ohne Frage verdient.

FAZIT

Tolle Geschichten mit einigen Überraschungsmomenten. Der durchweg positive Eindruck wird leider von dem schlampigen Korrektorat negiert. So hinterlässt IMPROBUS einen zwiespältigen Eindruck.

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