Arno Strobel: Das Rachespiel

RachespielArgon-Verlag, Berlin, 27. November 2014
6 CDs in Multibox, Thriller/Krimi, Autorisierte Lesefassung, ISBN: 978-3-8398-9235-0, 443 Minuten, 12,95 EUR
Covergestaltung: N.N.
Gelesen von Sascha Rotermund

Die Buchausgabe ist im Fischer Verlag erschienen

 http://www.arno-strobel.com/

http://www.fischerverlage.de/

www.argon-verlag.de

http://www.sascharotermund.de/
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“Das Spiel hatte begonnen, alle Spieler hatten sich erwartungsvoll angemeldet. Es war ihm egal, ob einer von ihnen seine erste Aufgabe erfüllen würd, wahrscheinlich würde es keiner versuchen. Aber das würde sich ändern, wenn sie ihre Aufgabe bekamen. Er würde dafür sorgen, dass das Spiel so verlief, wie es geplant war.“

STORY

In einem anonymen Umschlag erhält der Softwareentwickler Frank Geissler einem USB-Stick, mit dem er aufgefordert wird, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine angegebene Webseite aufzurufen. Die Neugier siegt und er bekommt dort zur angegebenen Zeit eine harmlos erscheinende Aufgabe gestellt, der er allerdings nicht nachkommt. Einige Stunden später stirbt auf grausame Weise ein Mensch, live übertragen auf der angegebenen Webseite. Damit ist Frank unfreiwillig zum Teilnehmer eines perversen Spiel geworden, das seine Wurzel in seiner eigenen Vergangenheit hat. Gemeinsam mit drei weiteren Spielern – Freunde aus seiner Kindheit wird er in einem leerstehenden Atombunker gelockt, wo die nächsten Runden des Rachespiels stattfinden sollen.

„Den ganzen Vormittag über versuchte Frank angestrengt, die Gedanken an Festus, den toten Mann und dieses perverse Spiel zu verdrängen, aber es gelang ihm nicht. Was auch immer er anpackte, binnen weniger Minuten saß er mit starrem Blick da, und seine Gedanken kreisten um die Geschehnisse der letzten Stunden. Ein Mann war bestialisch getötet worden, weil er, Frank, nicht getan hatte, was ein Irrer auf einer Webseite von ihm verlangte.“

MEINUNG

Nicht umsonst haben sich die Kindheitsfreunde Frank, Manuela, Jens und Thorsten mit der Zeit aus den Augen verloren. Eine unbedachte Handlung hatte damals, 30 Jahre zuvor, den Tod des geistig behinderten „Festus“ zur Folge. So glauben sie zumindest, denn der Initiator des Spiels gibt sich als eben jener „Festus“ aus.

Nun – ohne Wasser, Nahrung und Licht gefangen in einem Betonrelikt des kalten Krieges – werden den ehemaligen Bandenmitgliedern vier Aufgaben gestellt, deren Lösungen nach einem Punktsystem bewertet werden um dem oder den Gewinnern das Weiterleben seiner/ihrer Familie zu garantieren.

Schon ohne den Druck dieser Extremsituation herrschen offene Spannungen zwischen der Gruppenmitgliedern, die sich unfreiwillig wieder zusammenfinden. Schon bald bröckelt das Gemeinschaftsgefühl wieder. Das perfide Punktsystem schürt das gegenseitige Misstrauen noch zusätzlich.

Hier erweist sich die gelungen Charakterisierung als deutlicher Pluspunkt, auch wenn sich die Aktionen und die Streitgespräche der Gruppe mehrmals im Kreis drehen. Unterbrochen wird der Leerlauf immer wieder durch Rückblicke zu eben jenen Tagen, an denen der verhängnisvolle Unfall stattfand. Dabei vermeidet es Strobel lange Zeit, eine endgültige Aussage zu machen, ob „Festus“ damals wirklich gestorben ist oder ob er überlebt hat, untergetaucht ist (sehr unwahrscheinlich) und heute tatsächlich der Initiator des Rachespiels sein kann. Ärgerlicherweise passiert dies auf sehr plumpe weisem indem der Autor ständig die Gedankengänge seiner Figuren unterbricht, um nicht zu schnell zu viel zu verraten. Das ist nicht nur plump sondern man fühlt sich auch als Leser mit der Zeit verhohnepiepelt. Statt dessen hätte der Autor sehr gut mit subjektiven Erinnerungen/Schilderungen arbeiten könne, die auch nicht immer die Wahrheit sein müssen.

Zusätzlich stören immer wieder überflüssige Kinkerlitzchen den Lesefluss. Ja, Hr. Strobel, die meisten ihrer Leser wissen wahrscheinlich, wie man sich am Computer und im Internet bewegt und brauchen keine klick-für-klick-Anleitung innerhalb eines Romans. Das sind zwar Kleinigkeiten, die sich jedoch summieren und nur nerven, weil sie absolut überflüssig sind und nur die Handlung ausbremsen.

DAS HÖRBUCH

Sascha Rotermund ist ein zu Recht vielbeschäftigter Hörbuchsprecher, der bereits die Hörfassungen von Arno Strobls DAS WESEN und DAS SKRIPT eingelesen hat. Im „Normalmodus“ überlegt, beherrscht er aber auch ängstliche Facetten und das zunehmend bedrohlicher und aggressiver werdende Timbre des grobschlächtigen Thorsten, so dass man als Hörer sehr gut in das Geschehen eintauchen kann. Kleine Stimmmodulationen lassen die Figuren unterscheidbar und lebendig werden.

FAZIT

Wie bei den vorherigen Strobl-Thrillern liegt auch DAS RACHSPIEL ein vielversprechender Bauplan zugrunde; das Endprodukt ist jedoch stellenweise sehr grob gezimmert und verfügt über einige unnötige und verzichtbare Aufbauten.

 

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