Warren Ellis: Moon Knight 1: Aus dem Reich der Toten

MOONKNIGHT1_Softcover_564Enthält: Moon Knight 1-6
Originaltitel: Moon Knight 1-6 (Slasher, Sniper, Box, Sleep, Scarlet, Spectre), Marcel Comics, Mai – Oktober 2014
Paninicomics, Stuttgart, 27. Januar 2015
Paperback mit Klappenbroschur, Mystery/Horror/Thriller, 140 Seiten, 16,99 EUR
Zeichner: Declan Shalvey
Aus dem Amerikanischen von Bernd Kronsbein
Covermotiv von Ryan Stegman und Jason Keith

http://www.warrenellis.com/

https://www.paninicomics.de/

http://dshalv.blogspot.de/

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STORY

Marc Spector, der Moon Knight, ist zurück in New York, wo es inzwischen sogar eine Spezialeinheit der Mordkommission gibt, die sich auf “Freaks” spezialisiert hat. Am aktuellen Tatort einer Mordserie findet der Held Hinweise, die ihn in den Untergrund von Manhattan führen, wo er einem ehemaligen Shield-Agenten gegenübersteht, der sich ständig mit neuen Organen versorgen muss. (#1). Ein Sniper tötet acht Menschen aus dem Verborgenen, bevor Moon Knight ihn überwältigen kann. Als der Täter sein Motiv darlegt, betritt das geplante neunte Opfer das Spielfeld. (#2) Eine Bande Geisterpunks machen Downtown, Manhattan unsicher, begleitet von der Melodie einer Spieldose. Mit seinen irdischen Waffen kann der Moon Knight ihnen nichts anhaben, doch Marc Spector hat nicht umsonst eine ganze Sammlung mythischer Artefakte aus Ägypten. (#3) Dr. Skelton tritt an den Moon Knight heran aufgrund von dessen gemeinsamen Studien mit Dr. Peter Alraune. Wie Alraune ist auch Skelton in der Schlafforschung tätig und seit kurzem haben alle seine Probanden denselben Traum (#4) Ein Mädchen wurde auf dem Heimweg von der Schulveranstaltung entführt und nun im fünften Stock eines Mietshauses gefangen gehalten. Stockwerk für Stockwerk kämpft sich der Moon Knight zu ihr nach oben. (#5) Der Streifenpolizist Ryan Trent ist frustriert über die Aufmerksamkeit, die dem Vigilanten Moon Knight zuteil wird, während er selbst keine berufliche und private Perspektive sieht. Er erkundet die Vergangenheit des geheimnisvollen Vigilanten und entwickelt einen Plan, diesen zu töten und selbst dessen Platz einzunehmen. (#6)

MEINUNG

Derzeit sind die Marvel Geschichten dann am besten, wenn es einmal nicht darum geht mit geballter Teampower mindestens die Welt zu retten, siehe z.B. auch die ausgezeichnete HAWKEYE-Serie. Dem Moon Knight Marc Spector, der einst als Söldner unter der Staue des ägyptischen Gottes Konshui starb und als dessen göttlicher Avatar ins Leben zurückkehrte, fehlt zwar die menschliche Komponente seines Verlagskollegen, doch was Warren Ellis (TRANSMETROPOLITAN, PLANETARY) hier mit fast britischen Understatement präsentiert wird ist schlichtweg der Hammer für jeden Mystery-Fan. Superstarautor Ellis legt den stets weißgekleideten (siehe auch PLANETARYs Elijah Snow) Antihelden mit dem heißen Draht ins Jenseits als kaum verhohlene Mischung aus Batman und HELLBLAZER John Constantine an. Ein einsamer Rächer, der sogar in Träume eindringt, wenn es der Fall erfordert. Ein gnadenloser Beschützer derer, „die des Nachts reisen“, im eigentlichen, wie im übertragenen Sinne.

Die hier gesammelten ersten sechs Ausgaben der aktuellen MOON KNIGHT-Serie sind jede für sich ganz klar storygetrieben und auch alleine zu lesen. Und doch schafft es Ellis, in jeweils wenigen Szenen etwas über den Hintergrund der Figur zu enthüllen und so zusätzlich einen übergreifenden Storybogen aufzubauen. Dabei lässt er zunächst noch im Unklaren, ob Spector tatsächlich auf Hilfe aus dem Totenreich bauen kann oder ob der ehemalige Söldner „lediglich“ schizophren und nur einen Steinwurf vom vollständigen Wahnsinn entfernt ist. Und obwohl Ellis hier im Grunde nur eine Reihe „Geistergeschichten des Monats“ aneinander hängt, erschließt sich auf den zweiten Blick eine brillante Art des grafischen Erzählens, die sehr reizvoll im Kontrast zu den doch relativ simpel gestalteten Geschichten steht. In Heft 2 „Sniper“ beispielsweise bekommt jedes Opfer des Scharfschützen ein eigenes festes Panel pro Seite und während mit den erfolgten Tötungen ein Bild nach dem anderen einfach schwarz bleibt, läuft die Story der anderen Figuren in ihren Panels weiter. Die Handlung von #6 setzt mitten in der Handlung von #1 ein, gleiche Bilder, gleiche Dialoge, wird dann jedoch aus Sicht des Polizisten Ryan Trent weitergeführt. Das sind an sich einfache, doch in ihrer Einfachheit auch geniale Stilmittel, die den Leser jedoch einige „Aha-Erlebnisse“ bescheren und damit förmlich an das Heft fesseln. So muss ein Comic funktionierten! Und mit Warren Ellis hat man bei Marvel einen Autor gefunden, der den Ton trifft und gleichzeitig seine eigene Vision verwirklicht. Denn auch MOON KNIGHT verfügt über das bewährte Ellis-Markenzeichen, die brillante Gratwanderung zwischen unterschwelliger Parodie und ernsthafter Würdigung.

Die grafische Umsetzung liegt in der Hand des Iren Declan Shalvey, der schon an den verschiedensten Comics gearbeitet hat (Adaptionen von FRANKENSTEIN und SWEENEY TODD, 28 DAYS LATER, STAR TREK: DEEP SPACE NINE). Sein stets weiß gekleideter Moon Knight wirkt in den Bildern (absichtlich) fast wie ein Fremdkörper. Den Ton seiner Zeichnungen ordnet den Bedürfnissen der Story unter, d.h reduziert, wo nicht mehr benötigt wird und nahezu überbordend, wenn Moon Knight z.B. in die Traumwelt eines anderen eindringt. Insgesamt eine perfekte Symbiose mit Ellis Geschichten.

MOON KNIGHT 1 wird auf der Homepage von Paninicomics noch als Marvel Max/Maximum 59 geführt, Auf dem Heft ist kein Max-Aufdruck enthalten und der Band sieht aus wie die Nummer 1 einer eigenständigen Serie.

FAZIT

Fulminanter Auftakt der neuesten MOON KNIGHT-Inkarnation und erwachsene Mystery vom Feinsten. Wem DCs neuer CONSTANTINE zu weichgespült ist, der sollte unbedingt den aktuellen MOON KNIGHT antesten.

Panini-Comics-logo

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