Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe

Cover_Das Geheimnis der schwarzen HandschuheReihe: Bryan Edgar Wallace Filmreihe 8
Originaltitel: L’uccello dalle piume di cristallo, Englischer Titel: The Bird with the crystal Plumage
Central Cinema Company Film (CCC), Glazier, Seda Spettacoli, Italien/Bundesrepublik Deutschland, 1970
Universum Film, München, 24.April.2006
Altersfreigabe/FSK: ab 16
1 DVD im Amaray Case (zusammen mit den Filmen „Das Geheimnis des gelben Grabes“ und „Der Todesrächer von Soho“ in der „Bryan Edgar Wallace Collection 3“), Krimi/Thriller/Giallo, 101 Min.
Bildformat: 1,33:1 (4:3), 2,35:1 (16:9 anamorph)
Tonformat/Sprachen: DD 2.0 (Mono), Deutsch
Regie & Drehbuch: Dario Argento
Darsteller: Enrico Maria Salerno, Tony Musante, Eva Renzi, Mario Adorf, Suzy Kendall
Musik: Ennio Morricone
Nach einem Roman von Frederick Brown
http://www.universumfilm.de

STORY
Der amerikanische Autor Sam Dalmas (Tony Musante) wird in Rom zufällig Zeuge eines Mordversuchs. Durch die Schaufensterscheibe einer Kunstgalerie beobachtet er, wie eine Frau von einer schwarzgekleideten Gestalt angegriffen wird. Durch die gläserne Scheibe muss er den Angriff hilflos mit ansehen, doch seine Anwesenheit schlägt den Täter in die Flucht. Ein weiterer Passant alarmiert die Polizei und das verletzte Opfer, die Galeristin Monica Ranieri (Eva Renzi) wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Von Inspektor Morosini erfährt Dalmas, dass es in jüngster Vergangenheit bereits eine ganze Reihe ähnlicher Frauenmorde in Rom gab. Als derzeit bester Verdächtiger darf Dalmas die Stadt bis auf weiteres nicht verlassen und er beginnt stattdessen selbst zu ermitteln. Als er die Morde von Anfang an nochmals aufrollt, stößt er auf ein 10 Jahre altes Gemälde, das einen Mord darstellt und das der Auslöser der aktuellen Ereignisse zu sein scheint.

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MEINUNG
Für viele Anhänger des italienischen Genrekinos gilt DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE als eines der Highlights der Giallo-Welle, jener Art Thriller, die sich unter anderem durch eine stylishe und (damals) ungewohnt direkte Inszenierung der Mordszenen auszeichnet. Außerdem handelt es sich hier um den Erstling von Regieikone Dario Argento, der später mit SUSPIRIA, OPERA, TENEBRAE oder PROFONDO ROSSO eine ganze Reihe eindrucksvoller Kunstslasher – teils mit phantastischen Elementen – abgeliefert hat, an denen sich noch heute seine Nachahmer messen lassen müssen.

Trotz nicht gerade weniger ungeschliffener Stellen ist in DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE bereits erkennbar, was mit der Zeit zu Argentos Markenzeichen werden soll. Beeinflusst von Mario Bava pflegt der Jungregisseur einen kunstvollen Umgang mit Farben, Licht, Schatten und der stimmungsvollen Einbeziehung von Architektur – innen wie außen – in seine stilvollen Bildkompositionen. Schon die Gestaltung und Ausstattung der Galerie, die zum Schauplatz des anfänglichen Mordversuchs wird, ist nichts weniger als brillant. Die optische Eleganz stellt auch einen besonders unpassend erscheinenden Kontrast zu den blutigen Spannungshöhepunkten dar, die damit selbst kunstvoll „aufgewertet“ werden und eine Art künstlerische Legitimation erfahren. Die Musik von Ennio Morricone, die hier im Vergleich zu seinen allgemein bekannten Stücken recht experimentell ausfällt, unterstützt diesen künstlerischen Anspruch noch.

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Wie so oft im Giallo siegt auch hier der Stil über den Inhalt. Die Handlung selbst entwickelt sich reichlich holprig – eine Figureneinführung findet beispielsweise so gut wie gar nicht statt -, im Großen und Ganzen aber nachvollziehbar, wenn auch unter dankbarer Zuhilfenahme von „Kommissar Zufall“. Die flapsige deutsche Synchro erweist sich wiederholt als Stimmungskiller, was auch für die skurrilen und teils lächerlichen Charaktere wie z.B. den schielenden Zuhälter „Servus“ oder den aufdringlichen Antiquitätenverkäufer gilt, die die Handlung immer wieder ins Alberne drängen.

Ganz gialloesk kann natürlich niemand die Auflösung der Geschichte, sprich das Motiv für die Morde, kommen sehen, das in einem hanebüchenen Kindheitstrauma begründet liegt.

Wenngleich die deutschen Vermarktungsspezialisten DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE kurzerhand in die von 1962 – 1972 laufende Bryan Edgar Wallace-Filmreihe eingegliedert haben, stammt die literarische Vorlage nicht von diesem, sondern basiert lose auf dem Roman DIE SCHWARZE STATUE von Fredric Brown. Außerdem stellt der Film den ersten Teil eines losen und inoffiziellen Trios dar, das als Argentos „Tier-Trilogie“ bezeichnet wird. Die beiden anderen Filme sind DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE und VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT.

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FAZIT
Trotz der Tatsache, dass es sich bei der Geschichte nicht gerade um feinsinnige Krimikost handelt, darf DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE mit Fug und Recht als wegweisender Klassiker des Giallofilms bezeichnet werden.

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