J. A. Konrath: Der Lebkuchenmann

Cover_Der LebkuchenmannSerie: Jack Daniels 1
Originaltitel: Whisky Sour
Amazon EU S.à r.l., Luxemburg, 13. November 2014
Hörbuch-Download, Ungekürzte Ausgabe, Krimi/Thriller, 515 Minuten, 13,92 EUR
Aus dem Amerikanischen von Peter Zmyj
Gelesen von Sabine Arnhold

Kindle Edition und Taschenbuch erschienen bei AmazonCrossing

 http://jakonrath.com/

http://jakonrath.blogspot.de/

http://www.amazon.de

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„Eine weiße Frau mit blonden Haaren, höchstens dreißig. Ihr nackter Körper war von den Oberschenkel bis zu den Schultern mit Messerstichen übersät. An manchen Stellen klafften die Enden wie weit aufgerissene, hungrige Mäuler aus denen Blut lief. Die Stiche um ihren Bauch waren so tief, dass man hineinsehen konnte.
Ich spürte Übelkeit in mir aufsteigen und wandte meine Aufmerksamkeit dem Kopf der Frau zu. Um ihren Hals verlief eine rote Wunde, etwa so dick wie ein Bleistift. Die zurückgezogenen Lippen und der Mund, der wie eine weitere blutige Wunde weit offenstand, ließen ihr Gesicht zu einer grinsenden Fratze erstarren.“

STORY

Eine verstümmelte Frauenleiche in einem Müllcontainer vor einem 7-Eleven Supermarkt ruft die Chicagoer Mordkommission zur Pflicht. Im selben Container finden sich ein zuckerglasierter Lebkuchenmann und eine Nachricht des Mörders, der sich selbst „Der Lebkuchenmann“ nennt. Die Ermittlungen leitet Leutnant Jaqueline „Jack“ Daniels, eine vom Leben gezeichnete Mittvierzigerin, die gerade von ihrem Lebensabschnittspartner per Nachricht auf einem Notizzettel verlassen wurde und die sich ständig dieselben schalen Witze zu ihrem Namen anhören muss. Gemeinsam mit ihrem dauerhungrigen Partner Herb Benedict setzt sie sich auf die Spur des Mörders, der schon bald weitere Opfer folgen lässt.

„Die Tür zu dem Wohnhaus geht auf. Die Hure kommt heraus. In Gedanken geht er nochmal durch, wie er sie sich schnappen wird. Er fährt an ihr vorbei, hält vor ihr an, springt heraus, verpasst ihr die Injektion und zerrt sie ins Hinterteil des Wagens. Das müsste er in zehn Sekunden schaffen. Dann kann er mit ihr machen, was er will, solang er sie am Leben halten kann.“

MEINUNG

Um sich einen objektiven Blick auf WHISKEY SOUR, so der Originaltitel, zu erhalten, sollte man wissen, dass die Originalveröffentlichung bereits im Jahr 2004 erschienen ist, als das Thema Serienkiller noch lange nicht so ausgelutscht war, wie heute. Die deutsche Ausgabe kommt damit etwa 20 Jahre zu spät, um in dem Genre noch wirklich was zu reißen. Zumal Idee und die Umsetzung (aus heutiger Sicht) so unoriginell und vorhersehbar sind wie die Zeitung von gestern. Doch muss das wirklich schlecht sein?

Ein dickes Plus bekommt J. A. Konrath dafür, dass er mit seiner Geschichte gar nicht mehr will, als die Serienkiller-Junkies mit einer routiniert heruntergeschriebenen Story zu unterhalten. Und da der Roman umgekehrt auch keine eklatanten Schwächen aufweist, funktioniert DER LEBKUCHENMANN am Ende sogar wieder ziemlich gut. Man muss sogar attestieren, dass es dem Autor gelingt, seine Geschichte in einem gleichbleibend anregenden Fluss zu halten und auch das Gleichgewicht von Charakteren und Plot souverän zu wahren.

Das dickste Plus ist die Hauptfigur Jack Daniels, die sich angenehm von den üblichen Klischee-Ermittlerinnen (superintelligent, supertough, supererfolgreich, superschön) abhebt, was man so höchstens bei den deutschen ThrillerautorInnen findet (z.B. Andreas Franz Julia Durant). Allerdings mangelt es diesen eklatant an dem selbstironischen Humor, den Jack Daniels in den Wortgefechten mit ihrem Partner an den Tag legt. Weder ist sie eine Überflieger-Superfrau, die ständig ihre Überlegenheit beweisen muss, noch ein in Selbstzweifeln badendes Pflänzchen. Sie erledigt ihren Job und der heißt schlicht: „Schnappt den Drecksack“. Die vom Autor gewählte Ich-Perspektive tut ein Übriges, den Leser in die Handlung mit einzubeziehen.

Am Ende gelingt es Konrath sogar, dem Killer ein nachvollziehbares Motiv für seine Taten zu besorgen, so dass DER LEBKUCHENMANN alles in allem doch zu einer runden Sache wird. Wer nicht gerade den nächsten großen raffinierten Thriller sucht, wird hier bestens bedient.

Die Jack Daniels-Reihe umfasst inzwischen acht. Romane. Außerdem zeichnet J. A. Konrath, der auch unter dem Pseudonym Jack Kilborn schreibt (deutsch bei Heyne), verantwortlich für einige eigenständige Horrorthriller.

DAS HÖRBUCH

Gelesen wird das Hörbuch von Schauspielerin und Synchronprofi Sabine Arnhold, die u.a. Tina Fey und Melinda Clarke ihre Stimme leiht, die hier perfekt die vom Leben gezeichnete Jaqueline Daniels stimmlich porträtiert. Mal tough, mal zynisch, mal einfach nur resignierend.

Erhältlich ist das Hörbuch exklusiv als Download über die Amazon-Tochter Audible. Es ist zu wünschen, dass auch die weiteren Jack Daniels-Romane als Hörbücher umgesetzt werden.

FAZIT

“What you see is what you get.” Thriller-Vielleser mit einem Sinn für trockenen Humor, machen hier nichts verkehrt.

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