Howard Chaykin: Black Kiss 1

 Black Kiss 1-12

Originaltitel: Black Kiss 1-12
Vortex Comics, USA, 1988
Paninicomics, Stuttgart, 19.August 2014
Hardcover, Thriller/Noir/Erotik/Hardcore, ISBN: 978-3-86201-954-0, 140 Seiten, 19,99 EUR
Covermotiv von Howard Chaykin
Aus dem Amerikanischen von Marc-Oliver Frisch
https://www.paninicomics.de
https://www.facebook.com/howard.v.chaykin

STORY
Der Musiker Cass Pollack wähnt sich auf der Straße der Glücklichen, als er die megascharfe Blondine Beverly Grove als Anhalterin aufliest, die ihm auch direkt für seine Dienste einen bläst. Doch Pollack hat Schulden beim organisierten Verbrechen und zuhause werden zeitgleich seine Frau und Tochter ermordet. Als Ehemann steht der untergetauchte Pollack für die Polizei unter dringenden Tatverdacht und nur Mundarbeiterin Beverly könnte ihm ein Alibi liefern. Gemeinsam mit ihrem Lookalike Dagmar Lane, schmiedet sie einen Plan. Im Gegenzug für ihre entlastende Aussage soll Pollack einen privaten Film besorgen, mit dem Beverly erpresst wird. Das Material auf dem Film ist allerdings von solcher Brisanz dass noch andere Parteien hinter dem geheimnisvollen Beweismaterial her sind.

MEINUNG
Alle, die Frank Miller für SIN CITY abfeiern, sollten einmal einen Blick in Howard Chaykins (AMERICAN FLAGG!, BATMAN: THRILLKILLER, IRON MAN: SEASON ONE) obszönes Frühwerk BLACK KISS werfen, das gerade von Panini neu aufgelegt wurde und das so gar nicht zum überwiegenden Programm der Stuttgarter passen möchte. Nicht umsonst wurden die Hefte bei ihrem ersten Erscheinen in den USA in schwarzen Plastikhüllen verkauft. Die Druckereien wollte Chaykins Porno-Thriller nicht drucken, der Fachhandel nicht verkaufen. Wir befinden uns im Jahre 1988.

Heute gilt BLACK KISS als Klassiker des … Ja, was? Erotischen Noir-Thrillers? Nein! Zu dreckig, zu unelegant, zu brutal, zu Hardcore! Also mit Recht ein Skandal-Klassiker, der sich nirgends so wirklich einfügen will. Zumal das Finale die Geschichte noch Knall auf Fall in Richtung Phantastik umbiegt.

Mal ganz von der Pornoattitüde abgesehen, mit der Chaykin hier mehr als nur kokettiert – wir reden von pädophilen Priestern, einer Menage a Trois (mit Transsexuellen) und von Sex als Mittel zum Zweck sowieso – fällt es schwer, sich in diesem Reigen kaputter und amoralischer Existenzen eine Bezugsperson auszusuchen. Dass man so bei der Lektüre mit einigem Abstand an die Sache geht, tut der Story jedoch keinen Abbruch. Da die Handlung nicht gerade gradlinig verläuft und auch so manche Nebenfiguren und Parallelhandlung zu viel im Gepäck hat, fordert die Lektüre schon einiges an Konzentration ab.

Die schnodderige Erzählweise spiegelt sich in den Zeichnungen wieder und man meint hier den Drogeneinfluss zu sehen, unter dem Chaykin nach eigenen Aussagen jahrelang stand. Paninicomics präsentiert BLACK KISS als Wiederveröffentlichung (die deutschsprachige Erstveröffentlichung erfolgte 1992 bei Comicothek, Österreich) in einem edlen Hardcoverband mit gehobener Papierqualität. Der Band enthält die Originalhefte 1-12 und damit die komplette „Original“-Miniserie. Im Jahre 2012 ließ Chaykin bei Image Comics ein Vol. 2 folgen.

Alles in Allem ist BLACK KISS kaum etwas für Gelegenheitsleser, eher taugt dieser seltsame, dreckige und ungeschliffene schwarz/weiß-Bastard für Liebhaber erotischer Erwachsenen-Comics und/oder unerschrockene Noir-Fans.

FAZIT
Howard Chaykins BLACK KISS ist mit Recht einer der kontroversesten Comictitel der ausgehenden 1980er Jahre. Hier sind definitiv mehr als nur rote Ohren angesagt.

Panini-Comics-logo

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