Jeff Lemire, Denys Cowan: Green Arrow Megaband 2 – Krieg der Outsiders

GREENARROWMEGABAND2_Softcover_726Enthält: Green Arrow 17-31 (Die Mord-Maschine, Teil 1-5, Shado, Teil 1-2, Dissonanz, Der verlorene Sohn, Neue Tricks, Krieg der Outsiders – Buch 1-6 (Rückkehr zur Insel, Geheimnisse, Letzte Lektion, Die Prag-Offensive, Familie, Kriegsbeute))
Originaltitel: Green Arrow 17-31 (The Kill Machine, Part 1-5, Shado, Part 1-2, Dissonance, The Prodigal, New Tricks, The Outsiders War – Book 1-6 (Return to the Island, Secret Origin, The final Lesson, The Prague Offensive, Family, Spoils of War))
DC Comics, USA, April 2013 – Juli 2014
Panini Comics, Stuttgart, 14. Oktober 2014
Softcover, Action/Superhelden/Mystery, ISBN: 978-3-95798-080-9, 300 Seiten, 28,00 EUR
Aus dem Amerikanischen von Peter Thannisch
Titelillustration von Andrea Sorrentino
Zeichnungen von Andrea Sorrentino, Denys Cowan, Bill Sienkiewicz

www.paninicomics.de

http://jefflemire.blogspot.de/

https://twitter.com/and_sorrentino

https://twitter.com/denyscowan

http://www.billsienkiewiczart.com/

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STORY

Gerade als Walter Emerson, CEO von Queen Industries, Oliver Queen gegenüber Andeutungen über seine wahre Bestimmung macht, wird er tödlich von einem Pfeil getroffen. Fast zeitgleich wird das Hauptquartier von Q-Core, Olivers Teil der Firma, gesprengt. Oliver wird von dem Täter, der sich Komodo nennt, angegriffen und von einem mysteriösen Unbekannten namens Magus gerettet. Er gilt nun als Mordverdächtiger, wird so zur Persona non grata und muss untertauchen und seine nächsten Schritte planen.

Ein ehemaliger Angestellter von Queen Industries, Henry Fyff, dient als neuer Cyber-Verbündeten im Hintergrund. Oliver folgt einem Hinweis Magus‘, der ihn zu einer geheimen Waffenkammer seines Vaters Robert und Emerson führt. So findet Oliver heraus, dass beide gemeinsam mit einem dritten Mann vor ihm selbst auf eben der Insel waren, auf der Oliver unfreiwillig drei Jahre seines Lebens in einem fortwährenden Albtraum verbracht hat (siehe „Green Arrow Megaband 1“).

Komodo überrascht ihn in der Waffenkammer und wird, als Oliver die Oberhand in dem Zweikampf gewinnt, von seiner Tochter Emiko gerettet. Mit Naomi Singh, einer ehemaligen Q-Core-Mitarbeiterin als Geisel, lockt Komodo Oliver auf den Friedhof, wo sich das Grab seiner Eltern befindet. Dort gelingt es ihm, Komodo empfindlich zu verletzen, ihn in die Flucht zu schlagen und Naomi zu befreien.

Oliver folgt Magus‘ Rat, sich in die Black Mesa Wüste zu begeben, wo er angeblich Antworten erhalten soll. In einer Vision sieht Oliver seinen Vater, Emerson und Simon Lacroix, ein Protegé seines Vaters und späteren Komodo, auf der Insel, wo Robert auf der Suche nach einem Pfeilartefakt ist. Diese Waffe symbolisiert die Herrschaft über den Pfeil-Clan der Outsiders, einer Gruppe von sieben Clans, jeder versinnbildlicht durch eine andere Waffe. Lacroix tötet Robert Queen, und Emerson schickt Oliver auf die Insel, um ihn auf Komodo vorzubereiten.

Außerdem sieht Oliver in seiner Vision drei Drachen, von denen er nach Komodo noch zwei weitere finden muss. Der zweite Drache, eine Frau namens Shado, wird in einer Burg in Vlatava in Osteuropa gefangen gehaltenen (# 17 – 21: „Die Mordmaschine 1 – 5“).

Nachdem Oliver in die Festung eingedrungen ist, in der Shado gefangen gehalten wird, steht er dem Herrscher von Vlatava, Werner Zytle, auch bekannt als Count Vertigo, gegenüber, der über die Fähigkeiten verfügt, den Gleichgewichtssinn seiner Gegner zu beeinflussen. Mit Henrys und Naomis technischer Hilfe kann Oliver Count Vertigo besiegen und entkommen. Shado eröffnet Oliver, dass sie und Robert Queen in Wahrheit Emikos Eltern sind (# 22 – 23: „Shado 1 + 2“).

Um sich an Green Arrow zu rächen, ist ihm Count Vertigo aus Vlatava nach Seattle gefolgt und richtet dort mit seinen Kräften ein öffentliches Chaos an, während Oliver Queen aufgrund seiner Ohrverletzung nicht als Bogenschütze einsatzfähig ist (# 24).

Shado drängt Oliver, mit ihr zurück auf die Insel zu kommen, um dort das Totem des Pfeil-Clans der Outsiders zu finden. In Olivers Erinnerungen an die Insel gibt es keine Hinweise auf ein Versteck, doch Shado kennt den geheimen Ort, den sie ohne Probleme erreichen. Aber sie werden beobachtet, und der Schild-Clan ist auf dem Weg, sie aufzuhalten.

Nach dem Sieg über den Schild-Clan erwartet Oliver sein damaliger Peiniger, hinter dessen Maske sich sein tot geglaubter Vater Robert verbirgt. Oliver erfährt, dass sein Überleben und die Ankunft auf der Insel kein Zufall waren und nur dazu dienten, ihn zu einem Kämpfer zu machen.

Währenddessen sät Komodo in Prag, im Hauptquartier der Outsiders, Zwietracht in den Reihen der Clans, um sich selbst mit allen Mitteln zum Oberhaupt zu machen. Der richtige Zeitpunkt für Green Arrow, mit seinen Verbündeten zuzuschlagen und Komodo ein für alle Mal zu besiegen.

In Prag dringt er in die Kathedrale, das Hauptquartier der Outsiders, ein, wo ihn Komodo, Emiko und die Kämpfer der Faust erwarten. Doch er erhält unverhoffte Verstärkung. Dier Krieg der Outsiders strebt dem Höhepunkt entgegen, ebenso wie die persönliche Fehde zwischen Arrow und Komodo.

In Seattle herrscht derweil Chaos in der Unterwelt, die aus ihrem Gefüge geraten ist. Ein Gangster namens Richard Dragon setzt alles daran, sich zum Oberhaupt der Unterwelt aufzuschwingen. Er befreit Count Vertigo aus dem Gefängnis und sammelt weitere Helfer um sich. Olivers ehemaliger Mitstreiter John Diggle kehrt zurück, findet in Seattle allerdings nur Naomi und Henry vor, die nun Dragon und seinen Verbündeten gegenüberstehen (# 26 – 31: „Krieg der Outsiders“).

Zero Year-Tie-In

Gerade als der vermisste und für tot gehalten Oliver Queen nach drei Jahren heimkehrt, weilt seine Mutter Moira in Gotham, das gerade die Nachwehen eines Supersturms verdauen muss. Eine Situation, die Plünderer und schlimmere Verbrecher auf den Plan rufen. Aber auch der Zeitpunkt, an dem Batman das erste Mal in der Stadt gesichtet wird (# 25.1). Nach der glücklichen Rettung seiner Mutter hat Oliver Queen beschlossen, weiterhin als Vigilant mit Pfeil und Bogen in seiner Heimatstadt Seattle für Recht und Ordnung zu sorgen. Doch dafür benötigt er Unterstützung (# 25.2).

MEINUNG

Sofort zu Beginn seines Einstiegs als „Green Arrow“-Autor zieht Jeff Lemire dem zunächst wie gewohnt aufbrausenden Heißsporn Oliver Queen den vermeintlich sicheren Boden unter den Füßen weg. Gerade als ihm Walter Emerson eröffnen will, dass alles, was ihm widerfahren ist und was er durchmachen musste, kein Zufall war. Sein Vater Robert hat nicht nur Olivers Martyrium inszeniert, sondern damit auch einen weitreichenden Plan verfolgt.

So kreiert der kanadische Superstarautor Jeff Lemire („Animal Man“, „Swamp Thing“, „Sweet Tooth“) nicht nur eine ganz neue Grundlage für die Abenteuer des Bogenschützen, sondern ‚entleert‘ damit auch die Figur und macht sie bereit für eine dringend notwendige Neudefinition. Nach den sich zäh dahinschleppenden Bänden 0 – 16 (deutsch in „Green Arrow Megaband 1“) kann also getrost der Mantel des Schweigens und Vergessens über diese launische Strecke gebreitet werden, die eher eine sich gegenseitig behindernde Sammlung von Mehrteilern war, als eine durchgehende Serie.

Was Jeff Lemire und Ausnahmekünstler Andrea Sorrentino („Ich, der Vampir“) jetzt nämlich in ihrem „Green Arrow“-Run abfeuern, ist in seiner Mischung aus Action und Mystery schlicht einer der stärksten DC-Titel des Jahres und ein perfektes Kontrastprogramm zum ebenfalls starken, doch komplett gegensätzlich angelegten Marvel-Kollegen „Hawkeye“ unter der Ägide von Matt Fraction.

Was also hat sich Jeff Lemire für den DC-Robin Hood ausgedacht? Nicht nur, das Olivers Leben bisher reine Fassade war, ist er offenbar auch noch der rechtmäßige Erbe eines mystischen Pfeil-Artefakts. Auf seine Rolle hat ihn sein Vater mit einem groß angelegten Plan vorbereitet. Dabei ist Robert Queen nicht nur nicht tot, sondern war sogar Olivers Todfeind auf der Insel, auf der er drei Jahre auf sich alleine gestellt überleben musste. Und das alles nur, um seinen Sohn ohne dessen Wissen zum Führer einer uralten Kriegerkaste, des Pfeil-Clans auszubilden.

Darüber hinaus hat Robert Oliver per Ehebruch noch eine Halbschwester beschert, die nun auf der Seite seines Gegners steht. Solche Plot-Wendungen, Enthüllungen und Überraschungen erwarten den Leser hier Schlag auf Schlag, so dass man kaum sicher sein kann, was einen auf den nächsten Seiten erwartet. Als würde nicht schon dies alleine das Tempo voranpeitschen, arbeitet Jeff Lemire noch zusätzlich mit kleinen Häppchen von Rück-/Vorausblenden oder Parallelhandlungen und Andeutungen, die die bekannte „Green Arrow“-Historie aufgreifen und die der damit in seine „Green Arrow“-Version einbaut.

Doch nicht nur vordergründig geht hier die Post ab; es gelang den Machern sogar, eine zweite ‚Insider‘-Ebene einzubauen, die durchaus mit einem gewissen Augenzwinkern arbeitet, z. B dass der tot geglaubte Robert Queen exakt so aussieht wie der selige Neal Adams-Oliver Queen (mit Robin Hood-Bart) oder dass Oliver Queen wieder mit Trickpfeilen arbeitet, was allerdings nie zu peinlich-lächerlichen Szenen führt. So legt Jeff Lemire mit „Green Arrow“ eine formal absolut gewagte Gratwanderung hin, ohne je ins Lächerliche, Peinliche oder ins Zuviel-des-Guten zu kippen.

Darüber hinaus, und was die Grundlage einer guten Geschichte ist, hat Jeff Lemire auch die Figuren voll im Griff. Oliver Queen wird mit realistischen Stärken und Schwächen gezeichnet und macht eine angenehme Entwicklung durch. Hier und da hält die Story sogar einige ganz alltägliche Szenen bereit, etwa wenn Naomi Henry ihre romantische Schwäche für Oliver gesteht, nur dass Henry seinerseits eine Schwäche für Naomi hat. Autsch!

Den Pathos, den die Serie nicht zuletzt durch die Einführung gleich mehrerer mächtiger, mystischer und uralter Kriegerclans im vorliegenden Band verströmt, wird von Andrea Sorrentino perfekt umgesetzt. Gewohnt große Schattenflächen und starke Kontraste verleihen der Serie einen sehr düsteren Touch, der dem Bogenschützen jedoch sehr gut steht und der auch immer wieder mittels Humor gebrochen wird.

Zusätzlich wagt Sorrentino hier einige Experimente, indem er z. B. einzelne Panels oder nur Panelausschnitte in hartem Schwarz/Weiß mit rotem Hintergrund gestaltet, Bild-im-Bild-Aufteilungen benutzt, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu lenken oder z. B. Panelausschnitte kippen lässt, etwa wenn Green Arrows Gleichgewichtssinn unter dem Einfluss von Count Vertigo bröckelt. Besonders hervorzuheben sind die Szenen, auf denen Oliver unter Drogeneinfluss Visionen von seiner Zeit auf der Insel hat. Ein einziger düsterer Trip!

So ganz aus der DC-Timeline kann man sich nicht zurückhalten, weswegen der Band auch mit „Green Arrow 25“ die „Zero Year“-Episode einschiebt, in der Oliver Queen kurz nach seiner Heimkehr in Gotham auf Batman trifft und dadurch beschließt, in seiner eigenen Heimatstadt Seattle mit seinen Fähigkeiten für Recht und Ordnung zu sorgen. Teil 2 des Heftes erzählt schließlich, wie John Diggle und Oliver Queen zu einem Team wurden. Gezeichnet wurde diese „Short Story“ von Denys Cowan mit der unnachahmlichen Tuschung von Bill Sienkiewicz.

FAZIT

Ein fulminanter, düsterer Trip des Teams Lemire/Sorrentino, der „Green Arrow Megaband 1“ kurzerhand wegfegt und die Serie einige Ebenen nach oben katapultiert.

Panini-Comics-logo

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