Bernd Rothe & Jörg Kleudgen: Das Siegel des Mandschu

Das Siegel des MandschuGoblin Press, Büdingen, April 2013
Handgefertigtes Taschenbuch mit Lesebändchen und Schutzumschlag, Phantastik/Abenteuer/Pulp, Privatdruck ohne ISBN, 84 Seiten, 12,00 EUR
Covergestaltung, Cover- und Innenillustrationen: Jörg Kleudgen

http://www.goblin-press.de/

http://www.njedge.net/~knapp/FuFrames.htm

https://www.facebook.com/jorg.kleudgen

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„Der Mann sagte, vor vielen Jahren sei in der Nacht ein seltsamer Zug durch den Ort gekommen. Es habe sehr stark geregnet, und man habe nicht viel erkennen können, aber es seine eine Prozession von Mönchen gewesen, die eine Art Sänfte trugen. Und als ein greller Blitz die Nacht aufgehellt habe, habe ein uraltes Gesicht durch eine der Fensteröffnungen geblickt. Geblickt sei jedoch nicht der richtige Ausdruck, denn die Augen, die ihn angestarrt hätten, seine die Augen eines Toten gewesen …“

STORY
1952 stürzt eine Propellermaschine mit zwölf Passagieren – unter ihnen die Freunde Ferdinand Keller und Konrad Reuther – über einer kleinen Insel in der Mandschurei ab. Ein Mann namens Lyan Sun Ho, genannt „Der Mandschu“, regiert über dieses augenscheinlich friedliche Eiland und lässt den verletzten Reuther von seinen Ärzten gesund pflegen. Seinen Gästen gegenüber offenbart sich der Mandschu als Beherrscher von Hypnose und Suggestion. Liegt darin das Geheimnis der stillen Zufriedenheit seiner Untertanen und der Ergebenheit seiner liebreizenden Tochter begründet? Kellers Misstrauen erregen zudem im Dschungel versteckte Gebäude, deren Zweck sich ihm nicht erschließen und die er nicht betreten darf. Bevor er mehr herausfinden kann, drängt ihn Reuther zur Flucht. Dieser hat Informationen über den Mandschu aufgeschnappt, die eine hinterhältige und grausame Seite des Herrschers aufzeigen. Vor ihrer Flucht gelingt es Reuther noch, den Palast zu sprengen und damit auch den Mandschu zu töten. Die Freunde trennen sich in der beunruhigenden Gewissheit, dass der Mandschu einen von ihnen durch einen posthypnotischen Befehl zum einem willenlosen Werkzeug gemacht haben könnte, fähig, willenlos einen Mord zu begehen.

1960 weilt Ferdinand Keller in China, wo er für den Exportunternehmer Franz Röhmer Handelskarawanen organisiert. Als eine dieser Karawanen spurlos verschwindet, wird eine Rettungsmission in das abgelegene Gebiet, das die Karawane durchqueren musste, gestartet. In einem legendenumrankten Teil der Wüste wird Kellers Rettungsexpedition überfallen und verschleppt und am Ende seines unfreiwilligen Weges steht Keller erneut dem Mandschu gegenüber, der trotz seiner einst tödlichen Verletzungen noch am Leben ist. Mit Hilfe einer List gelingt Keller und seinen Verbündeten die Flucht sowie die Zerstörung der neuen Wirkungsstädte des Mandschu. Keller beginnt eine neue Existenz in Amerika.

1977 treffen sich Ferdinand Keller und Konrad Reuther in einem Hotel in Marburg. In dieser Nacht wird Keller auf seinem Zimmer ermordet. Die Rache des Mandschu aus dem Grab?

„Es war, als wollten mir diese unheimlich strahlenden Augen ihren Willen aufzwingen, während sich seine schmalen, von einem nervös zuckenden Bärtchen eingerahmte Lippen fortwährend bewegten, ohne dass ich einen Ton vernahm. Nur mit allergrößter Mühe gelang es mir, diesem Blick zu entkommen und den Rest des Gesichts zu betrachten, die auffällig hohe Stirn mit den schweren Wülsten der sorgfältig gezupften Brauen, die ausgeprägten Wangenknochen und das markante Kinn, das durch eine Grube in der Mitte gespalten wurde.“

MEINUNG
Mit DAS SIEGEL DES MANDSCHU liegt eine inhaltlich eher untypische Veröffentlichung von Jörg Kleudgens GOBLIN PRESS vor. Gemeinsam mit dem 2013 verstorbenen Bernd Rothe hat Jörg Kleudgen diese Hommage an den Superverbrecher Dr. Fu Man Chu verfasst. Die Originale – 13 Romane, die im Zeitraum von 1913 bis 1959 erschienen sind – sind Pulp-Romane reinsten Wassers, erfreuten sich offenbar jedoch solcher Beliebtheit, dass sie sogar eine zehnteilige Filmreihe, mehr oder minder freie Adaptionen von Sax Rohmers Vorlagen, nach sich zogen. Unter anderem spielten auch Boris Karloff und Christopher Lee den Superverbrecher in den Euro-Reißern. Auch DAS SIEGEL DES MANDSCHU ist in diesem Pulp-Geist verfasst. Das heißt, exotische Orte und handfeste Action dominieren den Roman. Um die damit drohende erzählerische Schlichtheit etwas aufzuheben, zäumen Rothe und Kleudgen ihre Geschichte von hinten auf und beginnen gleich mit einem Paukenschlag, nämlich Kellers mysteriösem Tod in Marburg. Dann arbeiten sie sich in der Zeit zurück, über Kellers zweites rätselhaftes Treffen mit Lyan Sun Ho, bis zur Quelle der Ereignisse und einer möglichen Erklärung für Kellers Tod, so lange nach dem vermeintlichen Ableben des Mandschu.

Durch dieses formale Spiel wird die bewusste Naivität des Erzählten auf angenehme Art durchbrochen und es gelingt das anfangs aufgebaute Mysterium durchgehend aufrecht zu erhalten. Anders als in den klassischen Abenteuerromanen, wo natürlich der Held stets gegen den Bösewicht gewinnen musste, scheint hier außerdem der Mandschu, derjenige zu sein, der zuletzt lacht und der auch nach seinem Tod noch seine hypnotische Macht über die Menschen ausübt.

In die Benennung ihrer Figuren kann man durchaus einen kleinen Insider-Scherz hineindeuten. So liegt nahe, dass sich Rothe und Kleudgen mit den Hauptfiguren Reuther und Keller selbst in die Geschichte geschrieben haben, ebenso wie der Name des Geschäftsmanns Franz Roehmer auf Fu Man Chu-Erfinder Sax Rohmer hindeutet.

Eine Nachklappe des Romans, sprich, die Kurzgeschichte WENN DER MANDSCHU RUFT! von Jörg Kleudgen, ist außerdem im Magazin CTHULHU LIBRIA – ÄON 2 enthalten

Wie auch alle anderen Bänder der Goblin Press ist auch DAS SIEGEL DES MANDSCHU in Handarbeit mit Unterstützung eines Copy-Shops hergestellt. Das Buch hat DIN A5-Format (gefaltete DIN A4-Blätter, die durch eine Pressbindung zusammengehalten werden) inkl. Vorder- und Rückseite aus Karton. Das umlaufende Coverbild befindet sich auf dem Schutzumschlag.

Das Buch ist direkt von Jörg Kluedgen über die Homepage der GOBLIN PRESS (http://goblin-press.de/) zu beziehen.

FAZIT
Liebevoll-pulpige Hommage an Sax Rohmers Superverbrecher Dr. Fu Man Chu, mit einigen formalen Kniffen geschickt aufgewertet.

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