Tim Curran: Kopfjäger / Leviathan

Cover_Kopfjäger_LeviathanOriginaltitel: Headhunter / Leviathan
Severed Press, USA, 2013
Luzifer Verlag, Drensteinfurt, 25. September 2014
Softcover/Klappenbroschur, Horror/Phantastik, ISBN: 978-3-95835-009-0, 224 Seiten, 12,99 EUR
Covermotive und Umschlaggestaltung: Michael Schubert

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“Scheiße auch, das gottverdammte Land ist voll mit Geistern und Gespenstern, Mac. Man bringt die Jungs zum Reden und schnell erzählen seinem einem von etwas, das die Toten wegschleift, um sie zu fressen – Sie haben ja nicht gedacht, dass Charlie alle seinen Toten wegholt, oder? -, und von anderen Dingen, die in den Baumwipfeln leben und in Höhlen und so. Vögel, die Menschen wegtragen und Schlangen, die einen ganzen Mann verschlucken können … seltsame Wesen, die nachts aus den Sümpfen kriechen. Vietnamesische Hexen und Teufel und Armeekompanien, die rumlaufen, obwohl sie seit Monaten tot sind.“
(Kopfjäger)

Kopfjäger

Mike „Mac“ McKinney begleitet 1970 als Kriegsberichterstatter einen Trupp Soldaten bei ihrem Einsatz in Vietnam. Tagtäglich wird er Zeuge, zu welchen Grausamkeiten die Menschen fähig sind. In einem kleinen Dorf hört er zum ersten Mal vom „Kopfjäger“, einem Wesen, das durch den Dschungel streifen, Menschen töten und die Köpfe seiner Opfer als Trophäen sammeln soll. Eine vietnamesische Legende, wie dutzende andere auch. Doch auch von den Soldaten hört Mac immer wieder seltsame Geschichten über dieses Wesen und aufgespießte Menschenköpfe mitten im Dschungel. Und plötzlich ist sich Mac sicher, dass der „Kopfjäger“ hinter ihm her ist.

Leviathan

Der Fotojournalist Johnny Horowitz ist befremdlich überrascht, als er auf den abgesperrten und menschenleeren Nordstrand von Seagull Island in Carolina stößt, den offenbar sogar die Tiere meiden. Zwar wurde vorhergesagt, dass der Hurrikan Amelia hier die Küste der USA erreichen soll, doch soll dieses Ereignis erst in einigen Tagen stattfinden. Als er im Sand menschliche Knochen entdeckt ist seine Neugier endgültig geweckt. Bei seinem nächsten Besuch dort, wird er schließlich Zeuge, wie sich die Realität dieses Landstrichs verändert und wie sich im Meer vor ihm zwei prähistorische Wesen bekämpfen. Horowitz hat Blut geleckt und sucht fieberhaft nach einer Möglichkeit aus diesem Phänomen Kapital zu schlagen. Doch die Wesen auf der anderen Seite dieses Zeitlochs sind Killermaschinen, denen nichts entgegen zu setzen ist.

„Obwohl er seinen Lebensunterhalt mit dem fotografieren von Stars verdiente, bedeutet das nicht, dass Johnny dumm war. Er wusste, was er gesehen hatte. Es gab keine Wale oder Meeressäuger oder verdammte Haie, die wie diese Viecher aussahen. Was er gesehen … gesehen, gehört und gerochen hatte, war eine Szene wie vor siebzig oder achtzig Millionen Jahren.“
(Leviathan)

MEINUNG
Mit dem Novellendoppel KOPFJÄGER/LEVIATHAN liegt die erste Veröffentlichung von Festa-Stammautor Tim Curran (ZERFLEISCHT, VERSEUCHT, DEAD SEA) in Steffen Janssens Luzifer-Verlag vor. Und vielleicht sind diese beiden Novellen nicht die schlechteste Wahl, musste man bei Currans Romanen doch stets bemerken, dass sich über die Romanlänge inhaltliche Wiederholungserscheinungen einstellen.

Hier spielt Curran seine Stärken aus, präsentiert in beiden Fällen etwas abgerissene Protagonisten, Einzelgänger und moralisch nicht so sehr sattelfest, doch mit hohem Identifikationspotenzial. Beide sind übrigens Journalisten im weiteren Sinne, die mit etwas Unerklärlichem konfrontiert werden. Von daher ist die Kombination der beiden Geschichten auch ganz passend. Sehr schön versteht es der Autor außerdem, eine latent bedrohliche Atmosphäre des Unbekannten aufzubauen, indem er vage Andeutungen, geflüsterte Gerüchte und Legenden die Runde machen lässt. Im feindlichen Kriegsgebiet des vietnamesischen Dschungels, umgeben von fiebrigen, halb wahnsinnigen Soldaten auf beiden Seiten, kann dies eine noch viel intensivere Wirkung entfalten als an einem vermeintlich sicheren, wenn auch aus unerfindlichen Gründen gesperrten Strand in Carolina. Doch auch hier lenkt Curran die Geschichte so, dass man einen beeindruckenden Sense-of-Wonder wahrnimmt, der sich am Ende zu einem mörderischen Albtraum entwickelt.

Was den Hintergrund oder eine Erklärung für den Kopfjäger, respektive das Zeitloch angeht, macht es sich Tim Curran in beiden Fällen einfach, indem er dies großzügig übergeht. In Vietnam schleicht eben ein Monster durch den Dschungel, das menschliche Köpfe aufspießt und den Rest der Körper kocht, an einem Strand in Carolina tut sich plötzlich ein Zeittunnel auf, durch den ein Dino in die Gegenwart trampelt. End of Message. So tun sich immerhin keine unliebsamen Längen auf. Zum Finale zieht sich Curran in beiden Fällen wieder auf die Schilderung von Brutalitäten zurück, so dass die Spannungsbögen in sich zusammen fallen.

Dass es auch ohne den zwangsläufigen Einsatz von Gekröse geht,  hat Curran mit den klassisch ausgerichteten Werken BISS DASS DIE ZEIT DEN TOD BESIEGT (Festa Verlag, 2011) (hier schreib Curran Lovecraft-Geschichten weiter) und DER LECIHENKÖNIG (Atlantis Verlag, 2011) bewiesen.

KOPFJÄGER/LEVIATHAN kommt als Doppelband dergestalt daher, dass die beiden Novellen nicht nacheinander abgedruckt sind, sondern dass man jede Geschichten von einer Seite aus lesen kann. Entsprechend haben beide Buchteile je ein eigenes, sehr gut gelungene Coverbilder, für die Michael Schubert verantwortlich zeichnet.

FAZIT
Sehr schön passende Novellenkombi von Extrem-Autor Tim Curran. In der eingeschränkten Länge kann der Autor seine Stärken ausspielen ohne Gefahr zu laufen, sich zu wiederholen.

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