Eric Corbeyran, Christophe Bec: Doppelgänger – Das doppelte Böse

doppelgaenger_coverOriginaltitel: Doppelgänger – Le Double Maléfique
Èditions Soleil, Frankreich, 2011
Splitter Verlag, Bielefeld, 01. August  2014
Album/Hardcover, Mystery/Thriller, ISBN: 978-3-86869-745-2, 96 Seiten, 19,80 EUR
Zeichnungen: Christophe Bec
Aus dem Französischen von Swantje Baumgart
Covermotiv: Christophe Bec
Nach einer Idee von Christophe Bec
Covergestaltung: Dirk Schulz
http://www.splitter-verlag.eu/
https://www.facebook.com/Corbeyran/

STORY
Zur Beerdigung seiner Mutter begibt sich Germain Maltret in die kleine Ortschaft Terre-Clapier, wo sie nach dem Tod ihres Mannes alleine ihren Lebensabend verbracht hat. Mit dem örtlichen Anwalt muss außerdem das Erbe geregelt werden. Kurz nach der Trauerfeier erblickt Maltret plötzlich einen Fremden auf dem Friedhof, in dem er sich selbst zu erkennen glaubt. Der Doppelgänger grüßt Maltret, bevor er vom Friedhof flieht.

Die Erbschaftsangelegenheiten zwingen Maltret länger als geplant in Terre-Clapier zu bleiben und die Nacht in einer Pension zu verbringen, wo er auf die introvertierte Nelly Lacour trifft. Von da an häufen sich seltsame Ereignisse im Dorf. Tiere sterben ohne ersichtlichen Grund und durch die Straßen fließt Blut. Das Medium Victor Franek, ein weiterer Bewohner der Pension, glaubt, dass der Auslöser dafür das Zusammentreffen Maltrets mit Nelly ist und bietet Maltret seine Hilfe bei der Aufklärung dieser mysteriösen Ereignisse an. Franek findet heraus, dass Maltret tatsächlich einen Zwillingsbruder hatte, der jedoch bei der Geburt gestorben ist.

doppelgaenger_Szene
https://www.splitter-verlag.de

MEINUNG
Christophe Bec (BUNKER, CARTHAGO, HEILIGTUM, PROMETHEUS) und Eric Corbeyran (ASSASSINS CREED, METRONOMY) nehmen sich in vorliegender Graphic Novel des Doppelgänger-Motivs an, das gerne in der phantastischen Dekadenzliteratur Verwendung fand (WILLIAM WILSON, DIE ELIXIERE DES TEUFELS) aber auch in modernen Thrillern immer wieder als mysteriöses Element auftaucht. Ebenso im Umfeld der Science Fiction, wo der Doppelgänger meist ein Klon, Zeitreisender oder Android ist.

Hier pflegen die beiden Erzähler den Ansatz, das Phantastische in die scheinbar heile Welt des arglosen Germain Maltret einbrechen zu lassen, während sich dieser gerade an einem einschneidenden Punkt seines Lebens befindet. Zuerst noch zögerlich, als Halluzination oder Augentäuschung erklärbar, mehren sich bald die Ereignisse in Maltrets Umfeld, die sich nicht mehr so einfach wegrationalisieren lassen.

Nun könnte der eher gleichgültig und leidenschaftslos charakterisierte Maltret, den die Situation spürbar unruhig macht, Terre-Clapier einfach wieder verlassen. Um ihn dort zu halten, ihn unter Druck zu setzen und zu einer Aktion zu zwingen, beginnen die Autoren nun eine Handlung um eine entführte Frau in die Geschichte einzuflechten. Zeugen wollen Maltrets Auto am Tatort gesehen haben und so sieht sich der unfreiwillige Tourist plötzlich und unerwartet im Zentrum polizeilicher Ermittlungen. Letztendlich finden die beiden Handlungsstränge zusammen und Maltret befindet sich mitten im Schnittpunkt der Ereignisse, die ihn zurück in seine Kindheit führen und zu Erinnerungen, die er längst verdrängt hat. Obschon dies alles außerordentlich gut gelungen und konstruiert ist, bleibt DOPPELGÄNGER doch hinter den Möglichkeiten zurück, die sich durch die Auflösung bieten. Wäre Maltret charakterlich etwas zugänglicher und leidenschaftlicher gezeichnet – die Beerdigung seiner Mutter wickelt er als Pflichtübung ab und überhaupt legt er ein sehr kühles Verhalten an den Tag  -, hätte die zweite Hälfte der Geschichte eine sehr viel stärkere Wirkung erzielt. Umgekehrt erklärt sich daraus jedoch die eingangs erwähnte Distanziertheit seiner Mutter.

Alles in Allem bietet DOPPELGÄNGER zwar nichts grundlegend Neues, stellt jedoch einen gefälligen Beitrag zum Mystery-Thriller-Genre dar. Die nüchterne Erzählweise kommt dem Stoff sehr zugute, da das Unerklärliche erst nach und nach auf verstörende Weise in die vermeintlich geregelte Weltordnung eindringt. Die Verortung des Geschehens im ländlichen Frankreich gibt dem Thema zusätzlich einigen frischen Wind mit. Die Zeichnungen von Christophe Bec wirken statisch und sehr sachlich. Auch verlässt der Zeichner nur selten die nüchterne Perspektive der Augenhöhe. Mit fortschreitender Gewöhnung gewinnen die Bilder im Zusammenspiel mit der Kolorierung, eine ganz eigene Qualität. Besonders der Umgang mit Licht und Schatten ist meisterlich umgesetzt.

Der Splitter Verlag veröffentlicht DOPPELGÄNGER als „Splitter Double“, was bedeutet, dass zwei Originalalben zu einem 96 Seiten starken abgeschlossenen Band zusammengefasst wurden.

FAZIT
Gut konstruierter Mystery-Thriller, der zwar nichts grundlegend Neues bietet, die Fans des Genres jedoch bestens unterhält.

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