Gunter Arentzen: Das kalte Herz

cover_das-kalte-herzReihe: Sherlock Holmes  – Die neuen Fälle 2
Romantruhe, Kerpen-Türnich, 01. Februar 2014
Taschenbuch, Krimi/Detektivgeschichte/Kurzgeschichten, ISBN: 978-3-86473-067-2, 220 Seiten, 12,95 EUR
Layout: YouKay
www.romantruhe.de
http://www.g-arentzen.de/

 .

„Denke ich nun an all diese Fälle zurück, fallen mir spontan natürlich vor allem jene ein, die ich bereits zu Papier gebracht habe. Manche Leser mögen sich hier an den dämonischen Hund erinnern, der die Nachfahren der tyrannischen Baskervilles zu strafen schien. Oder auch jene absonderlichen Begebenheit, in die ein weiblicher Vampir aus Peru verwickelt schien, und die Holmes und mich nach Sussex führte. Doch nun, da ich hier über das Thema reflektiere, entsinne ich mich eines weiteren Falls, und diesen habe ich bisher meinen Lesern noch nicht zur Kenntnis gebracht. Und dies, obgleich die Ereignisse einmal mehr überaus bizarr anmuten.“
(Totengesang)

Der mysteriöse Tod eines Politikers
Reginald Winterbloom, Abgeordneter des Unterhauses, wurde das Opfer eines Straßenüberfalls. Seine Witwe glaubt nicht an einen einfachen Raubüberfall, da Winterbloom zur Zeit seines Todes an einem sensiblen Vertragsentwurf der Regierung beteiligt war. Sherlock Holmes teilt ihre Ansicht und beginnt zu ermitteln.

Das kalte Herz
In der Fleet Street, Londons Zeitungsstraße, ereignet sich ein brutaler Mord. Da dem Opfer Organe entnommen wurden, werden Erinnerungen an die zwei Jahre zurückliegenden Mordserie von Jack the Ripper wach. Doch Sherlock Holmes glaubt nicht an eine Rückkehr des geheimnisvollen Schlächters. Der Detektiv weiß sogar, wo und wann sich der nächste Mord ereignet.

Untot
Mrs. Lefevre  sucht den Meisterdetektiv auf, denn drei Tage nach der Beerdigung ihres Mannes findet sie nicht nur sein Grab aufgewühlt vor, sie sieht ihren verstorben Gatten auch am selben Abend noch gegenüber ihres Hauses auf der Straße stehen. Noch dazu in Begleitung des vor Wochen hingerichteten Leroy Bonney.

Eine Symphonie des Todes
Der bekannte und vielgelesene Theaterkritiker Simion Arstead wurde auf ungewöhnliche Weise ermordet. Ein winziger, giftgetränkter Pfeil wurde ihm, während einer Theatervorstellung in den Nacken geschossen. Abgefeuert vom Sitzplatz eines gewissen Branislaw Podmanitzjow, eines Musikers, der aufgrund von Arsteads Kritiken seine Arbeit verloren hat. Aus der Todeszelle schickt der Musiker Holmes einen Brief mit der Bitte, sich seinen Fall noch einmal anzusehen, gemeinsam mit einem Beweisstück, das Holmes tatsächlich an der Schuld des Musikers zweifeln lässt.

Abschiedsmelodie
Die junge Florence Newton sucht Sherlock Holmes um Hilfe im Fall des verschwundene Arnold Sanhurst auf, der sie im Klavierspiel unterrichtet hat. Jedoch hatte sich zwischen Lehrer uns Schülerin eine Romanze entwickelt, die on der Schwangerschaft der jungen Frau gipfelte. Trotz eines Abschiedsbriefs, der nahelegt, dass Sandhurst England verlassen hat, glaubt die Frau nicht an einen freiwilligen Abschied.

Totengesang
Ein Brief von Paul Godwin, in dem von Geistererscheinungen auf Goodwin Castle die Rede ist, erreicht den Detektiv in der Baker Street. Die Vorkommnisse zehren empfindlich an der geistigen Unversehrtheit der Schlossbewohner. Vor Ort können sich Holmes und Watson selbst von den mysteriösen Ereignissen und Geräuschen überzeugen, doch wenigstens ebenso viel Beachtung schenkt Holmes auch der jüngsten Familiengeschichte der Godwins.

„Nachdem er die Unterlagen vollständig gesichtet hatte, wandte er sich um und blicket mich ernst an. „Das, mein lieber Watson, dürfte eines der bizarrsten, ruchlosesten und bemerkenswertesten Verbrechen sin, dem wie je nachgegangen sind. Und ich fürchte, wir haben noch nicht einmal den vollen Umfang erfasst.“ Ein Schauer lief mir über den Rücken, Holmes sparte in der Regel mit solchen Aussagen. Wenn er dem Fall eine solche Dimension beimaß, musste es sehr ernst sein.“
(Untot)

MEINUNG
Nach dem durchweg gelungenen Auftakt der Reihe, in dem die Autorin Amanda McGrey sechs neue Fälle um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes abgeliefert hat, wurde mit Gunter Arentzen ein weiterer Hausautor der Romantruhe „verpflichtet“, „Die neuen Fälle“ 7-12 hinterherzuschieben. Anders kann man es leider nicht nennen, denn die sechs Geschichten sind so formelhaft und ohne Esprit heruntergerattert, dass jedes Aha-Erlebnis auf der Strecke bleibt. Dabei ist Gunter Arentzen beileibe ein geübter Autor, ein Lohnschreiber im besten Wortsinne – seine zahlreichen Romane um Christoph Schwarz, Jaqueline Berger/Die Schatzjägerin, sowie diverse Einzelromane und Novellen sprechen für sich – nur scheint der historische, stimmungsvolle Krimi nicht gerade sein Metier zu sein. Eher bekannt und geschätzt ist er für seine treibenden, actionreichen und extrem schlanken (Phantastik-)Thriller, die unter der Gürtellinie auch gerne mal in den 18+-Bereich gehen. Doch gerade die ansonsten geschätzte Knappheit bricht den vorliegenden Geschichten das Genick, nimmt man als Sherlock Holmes Leser doch gerne etwas vom gemütlichen Zeit- und Gesellschaftskolorit des viktorianischen Londons mit, das hier großzügig ausgespart wird. Zwar trifft er den Ton und die altertümliche Ausdrucksweise sehr gut, doch laufen die Geschichten durchweg nach einem vereinfachten Schema F ab. Auf die Beschreibung und Darlegung eines neuen Falles folgt schon bald Holmes Auflösung. Die Schritte bis dahin, Holmes Recherchen und evtl. Irrwege, die die Fälle ansprechend aufgefüttert hätten, finden überwiegend unter Ausschluss des Erzählers Watson, und damit auch des Lesers statt. Da kann man nur von (Schreib)Dienst nach Vorschrift sprechen. Schade um die grundsätzlich guten Einfälle, die alle mehr hergegeben hätten.

Damit das Buch nach mehr aussieht, wurden im Schriftbild nicht nur die Stege sehr breit gestaltet, sondern auch die Zeilenabstände äußerst großzügig bemessen, so hat man hier lediglich 23 Schriftzeilen pro Seite (bei einem Buchformat von 15 x 21 cm), im Vorgängerband dagegen 32 bei kleineren Stegen.

Auch das Covermotiv der vorliegenden Erstauflage lässt zu wünschen übrig; inzwischen gibt es eine weit schöner gestaltete Zweitauflage mit einem Covermotiv von Rainer Engel. Ein intuitiver Zusammenhang zu Sherlock Holmes ist bei dieser mit Zylinder und Umgang versehen Gestalt (soll möglicherweise Jack the Ripper darstellen?) vor einem x-beliebigen Haus, nicht herzustellen. Auch wie Titel, Reihenbezeichnung, Verlags- und Autorenname aufgebracht sind, wirkt, ebenso wie die Innengestaltung, eher semiprofessionell.

FAZIT
„Schnell noch was raushauen, wo Sherlock Holmes drauf steht.“ Im Vergleich mit den Fällen 1-6 aus Band 1 enttäuscht Band 2. Historischer Krimi ist offensichtlich nicht Gunter Arentzens. Eine optisch ansprechende Gestaltung sieht außerdem anders aus.

Aufmacher_SH

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