Nicole Neubauer: Moorfeuer

Moorfeuer von Nicole NeubauerSerie: Hauptkommissar Wächter 2
Random House Audio, München, 18. Januar 2016
Hörbuch-Download, ungekürzte Ausgabe, 663 Minuten, 21,95 EUR
Gelesen von Richard Barenberg
Die Buchausgabe ist erschienen bei Random House/Blanvalet
http://www.nicole-neubauer.com/
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http://www.randomhouseaudio.de/
www.blanvalet.de
http://www.richard-barenberg.de/

Barfuß ging Marit in den Flur und blieb vor Sophies Zimmer stehen. Kälte zog aus der offenen Tür um ihre Füße wie etwas Lebendiges. Sie konnte den Arm nicht in die dunkle Türöffnung  stecken und nach dem Lichtschalter tasten. Was würde sie darin finden? An der Wand hing das Telefon. Eine winzige Diode leuchtete. Sie folgte dem Licht wie magisch angezogen. Es war technisch und real. Ein Teil von dieser Welt.  Die Nummer kannte sie auswendig. Nur der Anrufbeantworter. Endlich kam der Signalton und sie hört ihre eigene Stimme viel zu laut im Flur. So laut, dass alle Schatten sich zu ihr drehten. „Sie ist wieder da.“

STORY
Im Landkreis Freising, 30 Autominuten von München entfernt, wird die halb verbrannte Leiche der 49jährigen Eva Nell gefunden. Die Tote, die am Vortag in einem nahen und fast baufälligen Bauernhaus auf ihre Enkelin aufgepasst hat, ist offenbar direkt von dort verschwunden und ihrem Mörder in die Arme gelaufen. Doch der Mord sieht nicht wie eine Zufallstat aus. Auch der Fundort der Leiche scheint nicht willkürlich und mutet sogar wie ein mittelalterlicher Scheiterhaufen an. Zudem behauptet die Enkelin des Opfers, in ihrem Wohnhaus wiederholt das Gespenst eines Mädchens gesehen zu haben. Auch die Mutter bestätigt unerklärliche Luftzüge und Geräusche im Haus. Spukt hier wirklich die Schwester des Opfers, die bereits als Kind gestorben ist?

Die Münchener Ermittler um Hauptkommissar Michael Wächter, die ihren örtlichen Kollegen Amtshilfe leisten, stoßen bei ihren Nachforschungen tatsächlich immer wieder auf ländlichen Aberglauben, der noch nicht so lange ausgerottet ist, wie man annehmen sollte. Die Spur führt zurück in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als ein sogenannter „Hexenbanner“ von Dorf zu Dorf gefahren ist und seine Dienste angeboten hat.

„Er schloss die Augen, der Horizont flimmerte als Nachbild auf seiner Netzhaut. Versuchte, sich die Szenerie zum Zeitpunkt des Brandes vor sein inneres Auge zu rufen. Morgendämmerung, die den Himmel erhellt aber noch nicht die Landschaft. Ein Feldweg, der sich im Dunkeln verliert. Zwischen den Baumreihen die Ahnung kleiner Lichter von der nächsten Ortschaft. Nur eine Ahnung, gleich wieder verloren. Irrlichter im Moor. Vor dem Dunkelblau des frühen Morgens das leuchtende Orange des Feuers. Flammen die in den Himmels schlagen. Ein verfrühtes Osterfeuer. Der Brandort war nicht zufällig gewählt. Jemand  hatte gewusst, dass er auf diesem Flecken Erde maximal geschützt war, dass ihn niemand sehen und hören konnte. Ein Ortskundiger.„

MEINUNG
Da das verbrannte Opfer in München wohnhaft war, werden Hauptkommissar Wächter und sein Team aus der Landeshauptstadt angefordert um auf dem fremden, ländlichen Terrain des Freisinger Mooses die Kollegen vor Ort zu unterstützen. Vor allem Hannes Brandl gewinnt während der Ermittlungsarbeiten an Profil, während die beiden anderen Kollegen, Oberkommissarin Elli Schuster und der „Hüter des Schweigens“, nicht weiter erinnerungswürdig in Erscheinung treten. Brandls „Emanzipation“ beginnt damit, dass er eigentlich zugunsten seiner wackligen Ehe Urlaub beantragen wollte, es nun aber nicht fertig bringt, seinem Chef eine Abfuhr zu erteilen. Die daraus resultierenden ehelichen Spannungen treiben ihn immer mehr zu der spröden Tochter des Opfers hin, die nahe des Fundorts der Leiche im überlassenen Elternhaus lebt. Ihr ungleicher Ehemann ist Universitätsprofessor in München und so gut wie nie zuhause, so dass auch diese Ehe faktisch nur noch auf dem Papier besteht. Neben dem mysteriösen Mordfall ist dies der zweite Fokus, den Nicole Neubauer in MOORFEUER legt. Zahlreiche Autorenkolleginnen und –kollegen haben vorgemacht, dass das Privatleben der Ermittler, besonders wenn es sich um eine Krimireihe handelt, ebenso zur Qualität beiträgt, wie ein überzeugender Kriminalfall. Ermittler, die mit moralischen Schwächen behaftete sind bieten sehr gute Identifikationsfiguren für den durchschnittlichen Leser. Im Fall Brandner gelingt das wunderbar; dass Leading Man Michael Wächter in den eigenen vier Wänden ausgerechnet ein krankhafter und beziehungsunfähiger Messie ist, ist dagegen ziemlich dick aufgetragen und beißt sich auch mit der Person, die Wächter im Beruf darstellt.

Der Fall selbst ist sauber konstruiert, die Ermittlungen verlaufen in nachvollziehbaren Bahnen und der phantastische Hauch, der die Geschichte durchzieht, sorgt zusätzlich für rätselhafte Spannung. Auch die Auflösung ist passend – weder zu vorhersehbar noch zu sehr an den Haaren herbeigezogen – geraten, rundet den Fall ab und wirkt nicht aufgesetzt.

Formal pflegt die Autorin einen sehr plastischen, filmisch geprägten Stil, so dass es leicht fällt, sich die Szenerien und Schauplätze vorzustellen. Wer die Krimis von Nele Neuhaus mag – klingt ja schon ganz ähnlich wie Nicole Neubauer -, der wird auch hier nicht enttäuscht sein.

DAS HÖRBUCH
Sowie Nicole Neubauer in ihren Büchern als Besonderheit den Münchner Dialekt in der wörtlichen Rede einsetzt, tut das auch Interpret Richard Barenberg – als Franke nicht so weit vom Bayrischen entfernt -, der übrigens sehr viel jünger ist, als seine sonore Stimme vermuten lässt. Der Schauspieler spult außerdem souverän ein umfangreiches Repertoire verschiedener Stimmarten und Sprechmuster ab, so dass die einzelnen Personen sehr gut zu unterscheiden sind.

Zusätzlich zur ungekürzten Downloadversion ist auch ein gekürzter Download, sowie eine mp3-CD mit der ebenfalls gekürzten Version erhältlich.

FAZIT
Mysteriöse Spannung im Münchener Umland, souverän geschrieben und mit ausreichend Raum für die Figuren. Treffend interpretiert von Richard Barenberg.

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