Mörderland – La Isla Minima

morderlandOriginaltitel : La Isla Minima
AXN, Atresmedia Cine, Atresmedia, Atípica Films, Audiovisual Aval SGR, Canal Sur Televisión, Canal+ España, Instituto de Crédito Oficial (ICO), Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales (ICAA), Junta de Andalucía, Sacromonte Films, Spanien, 2014
Koch Media GmbH, München, 27.10.2016
1 DVD im Amary Case, Thriller, EAN: 4020628848569, ca. 101 Min,
Sprachen: Deutsch, Spanisch (Dolby Digital 5.1), Untertitel: Deutsch
Bildformat: 2.40:1 (16:9)
Altersfreigabe/FSK: ab 16
Regie: Alberto Rodriguez
Drehbuch: Rafael Cobos, Alberto Rodríguez
Darsteller: Javier Gutiérrez, Raúl Arévalo, María Varod, Perico Cervantes, Jesús Ortiz, Jesús Carroza, Salva Reina u.a.
Extras: Making of, Outtakes, Entfallene Szenen, Videotagebuch, Behind the Scenes, Spezialeffekte, Musik, Artworks, Storyboard, Drehbuch, Kinotrailer
http://www.kochmedia-film.de/
http://www.kochmedia.com/de/
https://www.facebook.com/kochmediafilm
http://www.filmfactoryentertainment.com/ficha.php?id=111

STORY
Nachdem im Sommer 1980 zwei Schwestern im Teenageralter spurlos im südwestlichen Sumpfland des Guadalquivir verschwunden sind, ermitteln die Beamten Juan (Javier Gutiérrez) und sein junger Kollege und frischgebackener Familienvater Pedro (Raúl Arévalo) aus Madrid. Die Einheimischen begegnen des Polizisten mit Misstrauen, denn in dem abgelegenen Landstrich gelten eigene Regeln und die Mädchen standen im Ruf Flittchen zu sein. Tatsächlich finden die Beamten Hinweise, dass die Mädchen genug hatten vom Landleben und in die Stadt wollten. Bald tauchen jedoch die Leichen der beiden Mädchen auf, verstümmelt und vergewaltigt. Und bei ihren Ermittlungen stoßen Juan und Pedro auf weitere Mädchen, die in den Jahren zuvor immer während des Jahrmarkts verschwunden sind.

morderland_szene2
http://www.kochmedia-film.de/

MEINUNG
Die ersten Bilder des Films muten wie eingefärbte Aufnahmen eines Gehirnquerschnitts an, bis man bemerkt, dass sich dort etwas bewegt. Tatsächlich handelt es sich um Luftaufnahmen von andalusischen Sumpfgebieten, bearbeitete Bilder des Fotografen Hector Garrido (http://www.hectorgarrido.com/). Symbolisch tauchen die beiden Ermittler in dieses Gehirn des Landes ein, doch ist am Boden nichts mehr von dieser Schönheit zu sehen, sondern fast ausnahmslos Ödnis und Verrohung. Andere Einstellungen des Films sind den Fotografien von Atín Aya nachempfunden, den die Filmemacher ebenfalls als Inspiration angeben (http://www.atinaya.com/).

Nur vage, in einem Halbsatz wird angedeutet, warum zwei Hauptstadtpolizisten wegen zwei verschwundener Teenager im katalanischen Hinterwäldler- bzw. Hintersumpflerland ermitteln. Ein Gefallen, den irgendjemand irgendjemand anderem auf höherer Ebene schuldet ist dafür verantwortlich, dass sich die ungleichen und offenbar frischgebackenen Partner Juan und Pedro nun im hitzeflirrenden Niemandsland wieder finden, wo auch 1980 Francos Diktatur noch nicht aus den Köpfen verschwunden und die Demokratie noch nicht angekommen ist. Ohnehin scheint die politische Führung hier gelinde gesagt so stiefmütterlich zu sein, wie die Exekutive willkürlich ist. So gelten hier ganz eigene, ungeschriebene Regeln und nicht Wenige haben sich bequem in diesem rechtslosen Raum eingerichtet. Der idealistische Pedro, ein Kind des politischen Umbruchs, fühlt sich davon regelrecht abgestoßen, während der erfahrenere Juan dies mit einem kenntnisreichen Schulterzucken quittiert. Später wird der Verdacht laut, dass Juan unter Franco ein übler Folterer im Staatsdienst war. Und doch verhält er sich seinem jungen Kollegen gegenüber stets korrekt, führt auf intelligente Weise die Ermittlungen ohne seinen Partner auflaufen zu lassen und ist sogar derjenige, dem sich die von ihrem Mann misshandelte Mutter der Opfer schließlich mit weiteren Informationen anvertraut.

morderland_szene3
http://www.kochmedia-film.de/

So brodelt es in LA ISLA MINIMA unter der elegischen Oberfläche gleich auf mehreren Feuern. Schwerelos schwenkt Alberto Rodriguez den erzählerischen Fokus immer wieder über seine ambivalenten Hauptfiguren hinweg auf die Ermittlungen und wieder zurück. Dabei wirkt die psychologische Unterfütterung nie plakativ oder aufgesetzt sondern baut sich diffus im Hintergrund auf, sickert von dort ins Unterbewusstsein des Zuschauers und entwickelt einen regelrechten Sog, wenn sich dieser darauf einlässt. Im Zusammenspiel mit den grandiosen Bildern der trostlosen und bedrückenden Landschaft spricht LA ISLA MINIMA den Zuschauer damit auf einer Ebene an, wie es auch die Filme von David Lynch oder Nicholas Winding Refn tun, schlägt einen derart in seinen Bann, dass man während des Abspanns erst wieder in die Realität zurück finden muss. Einzelne Szenen haben eine regelrecht hypnotische Wirkung (Stichwort: Die nächtliche Verfolgungsjagd durch den Sumpf).

Die Hauptrollen sind brillant besetzt; Javier Guiterrez liefert als Juan ein meisterhaft subtiles Spiel ab. Gerüchte sorgen dafür, dass ihm sein junger Kollege – ohnehin aufgerieben zwischen seiner Familie und seinem Pflichtbewusstsein als Polizist – nicht vorbehaltlos Vertrauen kann. Dies überträgt sich ebenso auf den Zuschauer. Juan könnte problemlos der gute Onkel sein und verfügt doch, dank seiner Körpersprache und seiner nüchternen Selbstkontrolle, über eine unbestimmte bedrohliche Präsenz. Raúl Arévalo gibt ebenso überzeugend den jungen Vater Pedro, der Frau und Baby nun einige Tage allein lassen muss, daher grundsätzlich einen erhöhten Stresslevel hat, und dessen Haut zusehends dünner wird.

Erwähnenswert ist außerdem die brillante Ausstattung des Films. Völlig zu Recht ist LA ISLA MINIMA, neben zahlreichen Festivalpreisen, der Gewinner von 10 „Goyas“.

morderland_szene1
http://www.kochmedia-film.de/

FAZIT
Wie schon in UNIT 7/KINGS OF THE CITY verbinden Regisseur Alberto Rodriguez und Drehbuchautor Rafael Cobos ihre Mikrokosmos-Thrillerhandlung mit realem Polithintergrund. Das Resultat ist ein hypnotischer Thriller weit jenseits aller Hollywood-Konventionen.

kochmedia_logo

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s