Amanda McGrey: Der Tote im Keller

cover_der-tote-im-kellerReihe: Sherlock Holmes – Die neuen Fälle 3
Romantruhe, Kerpen-Türnich, 01. Oktober 2014
Taschenbuch, Krimi/Detektivgeschichten/Kurzgeschichten, ISBN: 978-3-86473-106-8, 246 Seiten, 12,95 EUR
Layout: YouKay
www.romantruhe.de

„Es war die stürmischste Nacht, die ich je erlebt habe. Da begann es. Schleichend… aber umso grauenvoller!
Auch ohne meine Aufzeichnungen habe ich beinahe jede Minute des Ereignisses vor meinem geistigen Auge. Wir schreiben April 1889. Sherlock Holmes und ich saßen noch am unabgeräumten Abendbrottisch. Die ersten Windböen tobten bereits durch die Baker Street und zerrten an unseren Blendläden.“
(Der Tote im Keller)

Der Tote im Keller
Sir Gerwin Devin, der das Haus des verstorbenen Lord Benjamin Hartford gekauft hat, wird von den Geräuschen eines Einbrechers in den Keller seines neuen Hauses gelockt, der eher einem Privatmuseum gleicht. Zwischen allerlei Kunstgegenständen entdeckt der neue Besitzer ein Skelett in einer Germanenrüstung. Ungewöhnlicher Weise weißen Helm und Schädel ein Einschussloch auf. Sherlock Holmes ist sich sicher, dass diese makabre Szene inszeniert wurde. Doch was ist das Motiv?

Süße Träume
Eher zufällig stolpert die verwirrte junge Elenor Price in die Wohnung von Sherlock Holmes und Dr. Watson. Ihr Vater, Norton Price, ist kurz zuvor an Herzversagen gestorben, als er sich zur Erholung im nahegelegen Sanatorium von Professor Huxley befand. Eine Notiz ihres Vaters deutet jedoch auf einen Auslöser für den Herztod hin. Um in dem Fall zu ermitteln, lässt sich Watson als Patient in das Sanatorium einweisen. Sehr bald bemerkt er, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht und er beginnt nach und nach selbst an seinen Verstand zu zweifeln.

Der Fall Weihnachten
Einen Tag vor dem Heiligen Abend erhalten Sherlock Holmes und Dr. Watson eine seltsames Weihnachtsgeschenk. Auf der Türschwelle von 221b liegt ein wenige Wochen altes Baby. Kurz darauf macht Lord Harding, ein Mitglied des Oberhauses, seine Aufwartung. Hardings Tochter ist seit einigen Tagen unauffindbar verschwunden, nachdem ihr Vater ihr die Verbindung zu einem Seemann untersagt hat. Holmes ist sofort klar, dass er hier den Großvater des Babys vor sich hat. Doch ebenso klar ist, dass Harding etwas vor dem Detektiv verbirgt.

Der Geisterzug
Nahezu gleichzeitig machen Inspektor Lestrade und Mycroft Holmes ihre Aufwartung in der Baker Street. Lestrade steht vor dem Rätsel, was es mit den bisher zwei Männern auf sich hat, die an Laternenpfählen aufgeknüpft wurden und bei denen je eine rätselhafte Botschaft gefunden wurde. In Mycrofts Fall steht einmal mehr das Wohl des Empires auf dem Spiel, denn die Staatssekretärin des Auswärtigen Amtes ist spurlos verschwunden und die Dame verfügt über ein fotografisches Gedächtnis. Bei seinen Ermittlungen findet Holmes nicht nur schnell heraus, dass beide Fälle zusammen hängen, sondern auch, dass der sogenannte Geisterzug, über den in der Times berichtet wird, in dem Fall eine Rolle spielt.

Die Sultanin
Sir Arthur Carno fühlt sich seit einigen Tagen verfolgt und erbittet in dieser Sache die Hilfe von Sherlock Holmes. Eine Observation deckt auf, dass es der Verfolger offenbar auf ein Gemälde abgesehen hat. Doch nicht das aktuelle Motiv ist das Objekt der Begierde, sondern jenes, das damit übermalt wurde. Kurz darauf wird Sir Arthur ermordet und das Bild gestohlen. Holmes ermittelt, dass das Originalgemälde von dem bekannten Maler Norman Grayson gemalt wurde. Und da kürzlich ein weiterer Besitzer eines Grayson-Bildes ermordet wurde, besteht eiliger Handlungsbedarf.

Omen
Ein Ausflug ins ländliche Summerset soll Holmes und Watson zur Erholung dienen. Doch wird auch dort der Meisterdetektiv mit einem Fall konfrontiert. Ein örtlicher Gutsbesitzer wird vergiftet. Steckt sein Bruder hinter der Tat, dem nun das väterliche Erbe alleine zufällt oder hat tatsächlich der Familienfluch etwas mit dem Tod zu tun? Darüber hinaus herrscht kein Mangel an skurrilen Ereignissen und Personen in dem Örtchen Burrowbridge, in dem jeder Einwohner ein Geheimnis zu hüten scheint.

„Etwas weckte mich. Ich wusste nicht zu sagen was. Ich richtete mich auf und tastete nach meiner Taschenuhr. Im Schein des Streichholzes erkannte ich, dass es gegen fünf Uhr in der Frühe war. Kopfschüttelnd stand ich auf und trat ans Fenster. Da gefror mir das Blut in den Adern. Aus der geöffneten Tür des Pavillons trat grell blaues Licht. Es riss das Denkmal aus der Finsternis heraus. Mein Gehirn konnte das Horrorszenario kaum fassen. An das Denkmal gekettet erkannte ich Agnes. Völlig entsetzt an den Fesseln zerrend. Ich hörte das Rasseln der schweren Ketten bis zu meinem Zimmer. Doch was hatte sich riesengroß vor ihr aufgebaut? Es sah aus wie eine Kreuzung zwischen einem Oktopus und einem Skorpion.“
(Süße Träume)

MEINUNG
Schlag auf Schlag bringt der Romantruhe Buchversand neue Bände mit neuen Sherlock Holmes-Fällen heraus, die in dieser Reihe über alle Bücher durchnummeriert sind. Der vorliegende Band 3 enthält die Fälle 14 – 18, die wie Band 1 SATANS FLUCH wieder von Amanda McGrey verfasst wurden. Die Dame hat in Sachen Holmes und Watson ein deutlich glücklicheres Händchen als Autorenkollege Gunter Arentzen, der den Vorgängerband DAS KALTE HERZ verfasst hat. Die Fälle sind interessanter aufgebaut, haben einfach „mehr Fleisch auf den Knochen“ und wo Arentzen oft nur das Rätsel und dessen Auflösung präsentiert hat, wird man hier auch Zeuge von Holmes Ermittlungen, was die Geschichten sehr viel lebendiger wirken lässt.

Die einzelnen Fälle sind sehr schön rätselhaft ausgedacht und streifen hier und da das Phantastische, etwa wenn es um dämonische Kräfte in einem Sanatorium geht oder um einen Geisterzug, der urplötzlich auftaucht und wieder verschwindet. Und am Ende gelingt es Amanda McGrey stets, die Fälle angenehm abzurunden, ohne dass lose Handlungsfäden in der Luft hängen bleiben.

Mit 246 Seiten und einem unverkennbar weniger gestreckten Schriftbild als das im Vorgängerband der Fall war, erhält der Leser auch wieder deutlich mehr Material seines Helden, so dass man für Band 3 der Reihe guten Gewissens wieder eine Empfehlung aussprechen kann.

Was die Covergestaltung angeht – es liegt die Erstauflage vor, deren Umschlag noch nicht das schöne Holmes und Watson-Motiv von Rainer Engel ziert – hätte die Romantruhe das gerne professioneller angehen dürfen. Nicht nur das Covermotiv sieht amateurhaft zusammengesetzt aus, auch die verschiedenen Schriftarten und -gestaltungen wirken nicht professionell. Selbiges gilt für die Geschichtentitel im inneren. Auch ist die Papierqualität ist insgesamt nicht besonders hochwertig und der Umschlag stößt sich sehr schnell ab.

FAZIT
Was Aufbau und Ausarbeitung der Fälle angeht, lässt Band 3 der Romantruhe-Reihe wieder eine deutliche Qualitätssteigerung gegenüber dem Vorgänger erkennen.

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