Karin Slaughter: Cop Town – Stadt der Angst

Cop TownStadt der Angst von Karin SlaughterOriginaltitel: Cop Town, USA, 2014
Random House Audio, München, 09. November 2015
6 CD-Box, Krimi/Thriller, gekürzte Lesung, ISBN: 978-3-8371-3162-8, 473 Min, 19,99 EUR
Download, Krimi/Thriller, gekürzte Lesung, ISBN: 978-3-8371-3163-5, 473 Min, 13,95 EUR
Gelesen von Nina Petri
Buchausgabe erschienen beibei Random House / Blanvalet
Aus dem Amerikanischen von Klaus Berr
http://www.karin-slaughter.de
www.karinslaughter.com
http://www.randomhouse.de
https://www.randomhouse.de/Verlag/Random-House-Audio/21000.rhd
https://www.facebook.com/AuthorKarinSlaughter
www.blanvalet-verlag.de
http://www.ninapetri.de/

„In den vergangenen drei Monaten waren mehrere Streifenpolizisten in den frühen Morgenstunden im Innenstadtbezirk von Five Points ermordet worden. Sie waren zu zweit unterwegs gewesen. Niemand patrouillierte dort je allein. Die ersten beiden waren in einer Gasse gefunden worden. Man hatte sie gezwungen, sich hinzu knien und sie dann mit je einer Kugel im Kopf regelrecht hingerichtet. Die anderen beiden waren hinter dem Lieferanteneingang des Portman Motel gefunden worden. Die gleiche Vorgehensweise, der gleiche Mangel an Spuren. Keine Zeugen. Keine Patronenhülsen, keine Fingerabdrücke, keine Verdächtigen. Auf dem Revier hatte man angefangen, den Mörder „Atlanta Shooter“ zu nennen.“

STORY
Atlanta, 1974: Ein Killer erschießt scheinbar wahllos Polizisten in der Bundeshauptstadt von Georgia. Sein jüngstes Opfer ist Don Wesley, der Partner von Jimmy Lawson. So gerät Jimmys Schwester Maggie, eine der ersten weiblichen Streifenpolizistinnen der Stadt, direkt mit dem Fall „Atlanta Shooter“ in Berührung. Gemeinsam mit Truppenneuzugang Kate Murphy, einer privilegierten jungen Frau, deren Mann im Vietnamkrieg gefallen ist, stößt sie auf Ungereimtheiten in der Aussage ihres Bruders, die Zweifel an dem geschilderten Tathergang aufkommen lassen. Ist möglicherweise gar nicht der Shooter für Don Wesleys Tod verantwortlich? Oder gibt es doch eine Gemeinsamkeit bei den Opfern, die nur niemand im Department sehen will?

„Fünf Meter entfernt? Sollte das heißen, dass Officer Jimmy Lawson nur ein paar Schritte entfernt gewesen war, als jemand Officer Don Wesley in den Kopf geschossen hatte? Maggie hatte das getrocknete Blut an ihrem Bruder gesehene. Wenn er auch nur drei Meter entfernt gewesen wäre, hätte er diese Spritzer lediglich abbekommen können, wenn Don mit einer Panzerfaust erschossen worden wäre. Entweder hatte Jimmy gelogen, um sein Gesicht zu wahren oder einfach um des Lügens Willen. Und er würde damit durchkommen, weil niemand in der Truppe, vor allem Terry nicht, hören wollte, dass ihr Goldjunge Scheiße gebaut hatte.“

MEINUNG
Liest man sich in den effekthascherischen Prolog mit seinen pathetisch-lachhaften Phrasen („Sein Körper war eine schiere Symphonie des Schmerzes. Jeder Muskel ein vibrierender Klavierdraht. Seine Zähne knirschten wie Schleifsteine.“) ein, möchte man am liebsten schon einen Haken an das Buch machen. Doch sobald die Autorin beginnt, das Bild größer zu zeichnen und ihre beiden Hauptdarstellerinnen auf die Leinwand bringt, entwickelt COP TOWN eine wohldosierte Spannung, die sich gleich aus mehreren Kanälen speist. Neben dem im Vordergrund präsenten Fall des Cop Killers, den es mit aller Macht des Georgia Police Departments zu fassen gilt, sehen sich Maggie und vor allem die attraktive und zunächst eingeschüchterte Kate den Ressentiments, Schikanen und (körperlichen) Unverschämtheiten ihrer männlichen Kollegen ausgesetzt. Überhaupt ist die komplette Ausrüstung und Infrastruktur des Polizeiapparats überhaupt nicht auf weibliche Polizisten eingestellt. Eine angespannte Situation, in der ein falsches Wort einer (Geschlechter-)Kriegserklärung gleich kommt. In der Polizeihierarchie des Jahres 1974 stehen Frauen noch unter den Schwarzen. So funktioniert COP TOWN nicht nur als Thriller sondern auch als Bild einer Machogesellschaft, das sich aus heutiger Sicht mehr als traurig ausnimmt. Das allgemeine Zeitkolorit ist dezent aber hinreichend gut gezeichnet, so dass man sich tatsächlich in einen US-Cop-Film aus den 1970ern versetzt fühlt.

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich der Fall des vermeintlichen Amokschützen, ausgehend von Maggie Lawsons eigenen Gedanken zum jüngsten Mordfall. Sie kann sich der scheuklappenbewehrten Meinung ihrer Kollegen nicht anschließen, sieht sogar den Tatbericht ihres eigenen Bruders mit einiger Skepsis, der nach der Schießerei keinen Hilferuf abgesetzt hat und dessen Waffe, entgegen seiner Aussage auch nicht abgefeuert wurde. Trefferwinkel und Schusskanal deuten zudem auf eine unnatürliche Körperhaltung des Opfers hin, alles zusammen lässt für sie nur einen undenkbaren Schluss zu.

Die Charakterentwicklung folgt mehr oder weniger dem Standard des Genres – gegensätzliche Charaktere müssen sich zusammen raufen und lernen sich dabei schätzen  – ist jedoch unaufdringlich und vor allem nachvollziehbar in den Roman eingearbeitet. Die Profiautorin erkennt man zudem daran, dass die Charakterisierung der Figuren, gemäß der Autorengrundregel „Show, don’t tell“, über deren Handlungen erfolgt und nicht einfach runtergetippt wird.

DAS HÖRBUCH
Die Lesung des Hörbuchs übernimmt Karin Slaughter-Stammleserin Nina Petri. Die raue Stimme der Schauspielerin passt perfekt zu der urbanen und nüchternen Szenerie des Romas und zu der toughen Maggie Lawson. Mit minimalen Anpassungen der Stimmfarbe gelingt es ihr, die Personen unterscheidbar zu machen. Dies gelingt auch bei der wörtlichen Rede der männlichen Akteure, die sie eine Spur derber anlegt, ausgesprochen gut, und ohne peinliche Stimmverstellungen. Obwohl es sich bei der Hörbuchversion um eine gekürzte Lesung handelt, hat man nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Im Gegenteil sorgt die Straffung für ein angenehmes Tempo.

FAZIT
Dichter Retro-Cop-Thriller aus ungewohnter Perspektive. Vor dem Hintergrund von Rassen- und Geschlechtergleichberechtigung, die 1974 de facto nur auf dem Papier existiert

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s