Ian Rolf Hill: Der Stamm der Berserker (Teil 2 von 2)

js1963Serie: John Sinclair 1963
Bastei Lübbe AG, Köln, 23. Februar 2016
Romanheft, Action/Horror, 68 Seiten, 1,80 EUR
Covermotiv: Timo Würz
http://www.bastei.de/
http://www.florian-hilleberg.net/
www.timowuerz.com/
https://www.facebook.com/Geisterjaeger.John.Sinclair/

“Es war einer der Wölfe, dessen graubraunes Fell jetzt mit dickem, rotem Blut besudelt war. Ein Vorderlauf war abgeknickt, Schulter und Hals eine rote Masse aus offenem Fleisch, durch das das Weiß von Knorpeln und Knochen schimmerte. Die restlichen Wölfe ergriffen jaulend die Flucht. Immer noch auf Händen und Knien hockend, wandte Suko den Blick von dem hingeschlachteten Wolf ab, in Richtung seiner neuer Gegner. Denn warum sollten sie ihn verschonen? Als Suko sah, was da auf ihn zukam und sich brüllend vor ihm aufrichtete, da wusste er, dass er vom Regen in die Traufe gekommen war.“

STORY
Während es John Sinclair, Morgana Layton und den ihr ergebenen Werwölfe gelingt, – wenn auch nicht ohne Verluste -,  den ersten Angriff von Lykaons Kreaturen abzuwehren, ist Suko in der Eiswüste Sibiriens alleine und nur unzureichend vor der Kälte geschützt, dem Tode nahe (siehe JS 1962 BLUTFEHDE DER BESTIEN). Nicht nur die Temperaturen setzen ihm zu, auch die Wölfe der Tundra, die den Chinesen auf ihrer Nahrungssuche entdeckt haben. Eine wild lebende Gruppe Menschen, die sich selbst Berserker nennen, kann den halb toten Chinesen in letzte Sekunde vor den hungrigen Wölfen retten. In Lager seiner Retter erfährt Suko, dass es sich bei den Berserkern um Menschen handelt, die die Fähigkeit besitzen, sich in Bären zu verwandeln. Sie sind die letzten ihrer Art und meiden die Menschen, die die „Wilden“ stets mit Argwohn beäugt und sogar verfolgt haben.

Von Morgana Layton kennt auch John Sinclair inzwischen den Aufenthaltsort seines Freundes. Es gelingt dem Geisterjäger, die neutralen Berserker zu überzeugen, Morgana und ihm gegen Lykaons Geschöpfe zur Seite zu stehen, denn auch den Berserkern ist Lykaon kein Unbekannter.

„Der Begriff Berserker bedeutet auch Bärenhäuter, und in vielen Überlieferungen steht geschrieben, dass es sich um verwegene Krieger handelte, die mit rasender Tollheit über ihre Gegner kamen Die Römer haben es am eigenen Leib erfahren. Man erzählt sich, dass diese Krieger außerhalb der Gesetze der gesitteten Gesellschaft lebten. Gesetzlos und für tot erklärt, daher auch ihre Furchtlosigkeit im Kampf. […] Häufig wird berichtet, dass es sich bei den Berserkern um Menschen handelt, die sich die Haut oder das Fell eines Bären überwerfen und sich mit Hilfe berauschender Drogen nur für ein solches Tier halten. Doch das stimmt nicht.“

MEINUNG
Erst einige Romane zuvor hat Ian Rolf Hill aus dem Nichts einen zweiten Götterwolf ins Spiel gebracht, nun schmeißt er noch flugs eine neue Rasse von Tiermenschen hinterher ins Sinclair-Universum. Ideenmangel kann und will man Hill also nicht gerade vorwerfen. Zumal der Stamm der Berserker mit seiner indianisch anmutenden Mythologie einen willkommenen ruhigen Gegenpol zu den überbordenden Schlachtenszenen zwischen Morganas Werwölfen und Lykaons Kreaturen aus der griechischen Mythologie bildet. Zwar haben sich die naturverbundenen Berserker mit ihrem Leben in der Abgeschiedenheit abgefunden und „politische Neutralität“ gewählt, doch kann John Sinclair sie schließlich als Verbündete gewinnen, war es doch Lykaon, der sich einst vom Balkan her immer weiter nach Norden ausgebreitet, die Berserker bekämpft und immer weiter zurück gedrängt hat. Von den Menschen wurden sie von jeher kritisch beäugt, gemieden und sogar angefeindet. Nur in Zeiten des Krieges, wenn die Lage schier aussichtslos war, erinnerte man sich an diese furchtlosen Kämpfer und forderte ihre Unterstützung. Damit erhalten die Berserker hier eine schon recht umfangreiche und schön ausgestaltete Hintergrundstory, die sie als grundsätzlich sanfte und würdevolle Riesen zeigt. Auch die Verwandlungen vom Mensch zum Tier sind sehr viel schöner, geheimnisvoller und majestätischer dargestellt als die plumpen Spontanmetamorphosen von Lykaons Jüngern, die gegen die Werbären wie Halbstarke mit Hormonüberschuss wirken. Der Schluss des Romans legt nahe, dass von den Berserkern (hoffentlich) noch mehr zu lesen sein wird.

Die überlieferten Legenden der Berserker liefern außerdem weitere Puzzlestücke, was die Verbindung von Fenris, Lykaon und ihre Beziehung zum Reigen der nordischen Götter, insbesondere Thor und Loki, angeht.

Das tolle Covermotiv von Timo Würz wirkt passenderweise sehr bedrohlich und gibt haargenau die Stimmung der entsprechenden Szene wieder.

FAZIT
Es wechseln sich hier wunderbar ruhige Momente im Berserkerlager mit ausufernden Kampfszenen ab, in denen Köpfe rollen, Gliedmaßen fliegen und über allem die Schreie der Sirenen ertönen. Die Werwolfstory entwickelt sich merklich weiter.

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