ZACKO/ZOCKO 1: Der Friedhof der lebenden Toten

zacko1Originaltitel: Il Cimitero dei Peccatori
Italien, 1982
Mila-Verlag, Kirchheim unter Teck, Juli 2016
Geklammertes Heft, s/w, Horror/Erotik/Hardcore, 32 Seiten, 7,90 EUR
Zeichner: keine Angabe
Covermotiv: keine Angabe
Nur für Erwachsene!
https://www.facebook.com/MilaVerlag/

STORY
Kroation 1879: Unter einem abgelegenen Friedhof soll sich der Schatz eine antiken Sekte befinden. Doch der Friedhof, auf dem nur Mörder und Vergewaltiger begraben wurden, steht im Ruf, verflucht zu sein und wird von den Dorfbewohnern gemieden. Als Botaniker getarnt, die sich für die heimische Flora interessieren, sind Stanley Deerfield und Muriel Tennyson auf der Suche nach dem Schatz, im Gepäck ein Bannspruch, der sie vor den lebenden Toten, die aus ihren Gräbern steigen, sobald jemand ihre Ruhe stört, schützen soll. Zwar wirkt der Schutz, doch suchen sich die Toten ihre Opfer stattdessen im nahehelegen Dorf.

MEINUNG
Das ist schon harter Tobak, den ZACKO in der Auftaktnummer serviert. Während die Story noch nach Hammer-Horror klingt, erinnert die Umsetzung eher an die „Glanzzeiten“ des italienischen (S)Exploitation-Kinos und Namen wie Lucio Fulci, Joe D‘Amato und Jess Franco (dessen EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES dürfte sich gegen ZACKO 1 noch harmlos ausnehmen). Da verwundert es nicht, dass nicht wenige Veröffentlichungen des Freibeuter Verlags, der mit u.a. HORROR GRUSEL COMIC, OLTRETOMBA, TOMBA, LUCIFERA und ZIP bereits in den 1970ern vergleichbare „Fumetti Neri“ nach Deutschland brachte, damals auf dem Index landeten.

Um nämlich ihren Bannspruch zu testen, werfen die Schatzsucher zunächst einmal eine Dorfschönheit den lebenden Toten gefesselt und ungeschützt zu Fick und Fraß vor, was Frau Doktor beim Zusehen gleich so geil macht, dass sie den Herrn Professor am liebsten gleich an Ort und Stelle besteigen würde. Eine kleine, vorgezogene Belohnung, denn schließlich muss auch sie Opfer bringen, wenn es darum geht, den ebenfalls halbverwesten Wächter des Schatzes mit handfestem Einsatz von seiner Pflicht abzulenken.

Als Käufer muss man also schon wissen, auf was man sich hier einlässt, denn ZACKO ist schon eine ganz andere Nummer als Basteis GESPENSTER GESCHICHTEN. Die Leserschicht wird sich wohl auch in einem überschaubaren Rahmen halten. Darum ist es ein mutiger Schritt des neuen Mila-Verlags unter Bernd Götz, eine solche Reihe auf den deutschen Markt zu bringen und derart ambitionierte Zukunftspläne zu spinnen, wie z.B. auf Facebook zu lesen. Bisher scheint es keinen Vertrieb zu geben. Die Hefte sind direkt beim Verlag bzw. über ebay und xjuggler zu beziehen.

ZACKO wird als „Großband“ bezeichnet, ist aber mit 16×26 cm nur etwas größer als z.B. Weissblechs HORRORSCHOCKER. Das Papier ist wunderbar passend „pulpig“, die Verarbeitung geht absolut in Ordnung. Insgesamt strahlt das Heft ein subversives „Unter dem Ladentisch“-Look-and-Feel aus und empfiehlt sich als Comic-Pendant zum DVD-Label „X-Rated“.

Auf den letzten drei Seiten beginnt die Fortsetzungsgeschichte CASINELLA, in der die titelgebende Junghexe viel lieber die Welt der Menschen kennen lernen würde, als öde Zaubersprüche zu pauken.

Doch eins noch, lieber Mila-Verlag: Es ist eine Sache, Sexploitation ohne Tabus für einen vermutlich kleinen Kreis Erwachsener zu servieren, eine andere ist es, für 7,90 EUR immer noch eine ganze Menge Rechtschreibfehler auf den schlanken 32 s/w-Seiten unterzubringen. „Kroatzien“ statt „Kroatien“, „Keine“ statt „Kleine“, „das“ statt „dass“, „anderst“ statt „anders“, „Explusion“ statt „Explosion“, usw.. Da fühlt man sich als Leser, der immerhin das Geld auf den Tisch gelegt hat, veräppelt und ihr verpasst euch auch selbst einen wenig schmeichelhaften Stempel, der um einiges von dem Anspruch, eine Liebhaberveröffentlichung herauszugeben, entfernt ist. Oder habt ihr den gar nicht? Ich persönlich hätte auch gerne auf die drei Seiten der Zweitstory verzichtet und stattdessen eine ordentliche Innencoverseite mit Infos zur Originalveröffentlichung, Autoren- und Zeichnerangaben vorgezogen.

UPDATE: Inzwischen hat der Verlag auf die Kritiken reagiert und bietet eine Umtauschaktion für die ersten drei Ausgaben an, sobald die fehlerbereinigten Zweitauflage, dann unter dem Serientitel ZOCKO, vorliegt. Auch eine Abomöglichkeit gibt es inzwischen, bei der das Einzelheft zum Preis von 6,90 EUR zu haben ist.

FAZIT
Seit vielen Jahren der erste „Fumetti Neri“ in Deutschland. Das Genre bringt es mit sich, dass die Grenzen des guten Geschmacks weit überschritten werden, für Fans also durchaus ein Fest. Die Eindeutschung lässt noch sehr zu wünschen übrig. Eine korrigierte Auflage folgt.

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