Marc Freund, Michael Koser: Professor van Dusen im Spukhaus

van_dusen_01Serie: Professor van Dusen 01
Produktion: Allscore Media, Stuttgart im Auftrag von Skyscore MediaGmbH/Maritim-Hörspiele, AT-Biberwier, 02.April 2015
Vertrieb: Indigo, Hamburg
1 CD im Amaray Case, historischer Krimi/Detektivgeschichte/Mystery, EAN: 4015698000122, ca. 76 Minuten
Regie: Gerd Naumann
Idee: Michael Koser
Buch: Marc Freund und Michael Koser
Sprecher: Bernd Vollbrecht, Nicolai Tegeler, Vera Bunk, Luise Lunow, Lothar Blumhagen, Peter Groeger, Christian Rode, Lutz Harder, Werner Ziebig
Komponist: Stephan Eicke
Interpret: Sandro Friedrich, Querflöte
Sounddesign, Mischung & Master: Tom Steinbrecher

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“Wer die Fälle des Professors kennt, der weiß, dass ich nicht gerade in Kind von Traurigkeit bin, doch ich muss gestehen, dass sich in meinem Magen ein mulmiges Gefühl ausbreitete, als ich den Wagen auf der Zufahrt zum Haus ausrollen ließ. War es eine Vorahnung von den Dingen, die uns erwarteten?“

STORY
25. April 1901: Hutchinson Hatchs Freundin und Scheinehefrau Penny DeWitt erbt von ihrem Cousin Mortimer Brewster ein Haus an der Küste von Middleport, Connecticut. Mortimer ist in eben jenem Haus ertrunken, ohne dass es dort nur eine Spur von Wasser gäbe. Auf ihre Bitte hin begleitet „H.H.“ Penny nach Middleport, wo sie von einem Fluch erfahren, der auf dem „Galgenhaus“ – so genannt, weil ein Pirat dort einst in eine Falle gelockt und gehenkt wurde, woraufhin seine Geliebte ebenfalls den Freitod gewählt hat – liegen soll.

Tatsächlich sehen sich Penny und Hutchinson im Haus einigen unheimlichen Ereignissen, Luftzüge, Schritte, Stimmen und gar einem schwebenden Kopf, ausgesetzt, woraufhin sie die Flucht ergreifen. Professor van Dusen, dem Hutchinson Hatch das Abenteuer schildert, glaubt selbstverständlich nicht an das Wirken von Geistern und vermutet hinter den Erscheinungen raffinierte Tricks. Dennoch lässt er es sich nicht nehmen, seinen Assistenten in das vermeintliche Spukhaus zu begleiten, wo sie bei ihrer Ankunft einen weiteren Ertrunkenen vorfindet. Nun ist Eile geboten, um die Geheimnisse des Galgenhauses und das Motiv hinter den rätselhaften Vorgängen aufzuklären.

„Nur weil hier offensichtlich gleich mehrere Personen irren, hat der Irrtum an sich noch lange keine Berechtigung. […] Ich nehme ihnen ab, dass sie all dies gesehen und gehört haben. Ich halte sie zwar gelegentlich für etwas, sagen wir, leichtgläubig aber sie sind alles in allem doch weit davon entfernt, ein Phantast oder gar, wie der Volksmund es auszudrücken pflegt, ein Spinner zu sein.“

MEINUNG
Um dem Hörer neue Fälle der „Denkmaschine“ van Dusen zu präsentieren, bedienen sich die Macher desselben „Tricks“, den auch die zahleichen Sherlock Holmes-Pastiches inflationär anwenden: Gleich zu Beginn nämlich verfasst van Dusens Assistent, Freund und Chronist, der Reporter Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker, eine Einleitung, die besagt, dass er einige Fälle des Professors aus diesen oder jenen zweitrangigen Gründen bisher nicht zur Veröffentlichung gebracht hat. Da schon diese Szene sehr sympathisch ausgefallen ist, schluckt man diese Erklärung gerne. Durch den damit erweckten Eindruck, einem von Hatch niedergeschriebenen Fall zu lauschen, fungiert der Reporter neben seiner Rolle als Beteiligter auch als eloquenter Erzähler, der den Hörer stimmungsvoll in die einzelnen Szenen des Hörspiels einführt.

Etwa die erste Hälfte des Hörspiels besteht aus Hutchinson Hatchs Bericht der bisherigen Ereignisse an van Dusen, bevor man sich gemeinsam auf den Weg zum Spukhaus macht. Dabei ist der Bericht nicht als reiner Dialog zwischen Hatch und van Dusen realisiert sondern immer wieder mit „Rückblenden“ versehen, die als Spielszenen mit dem jeweils vollständigen Sprecherensemble realisiert sind. Und das kann sich wirklich hören lassen. Allen voran natürlich Bernd Vollbrecht als süffisanter Augustus van Dusen und Nicolai Tegeler als dienstbeflissener und loyaler Reporter Hutchinson Hatch, der so manche Überheblichkeit des Professors schlucken muss. Flankiert werden sie u.a. von der großartigen Vera Bunk als energische Penny DeWitt, Allscore-Stammsprecher Christian „Sherlock Holmes“ Rode und die Van-Dusen-Veteranen Lothar Blumhagen und Christian Rode, die schon in Michael Kosers van Dusen-Serie dabei waren.

Der Fall an sich bietet im Krimigenre wenig Neues. Geistererscheinungen werden vorgetäuscht, um neugierige Zeitgenossen von dem Haus fern zu halten bzw. um die Neubesitzer aus dem Anwesen zu vertreiben. Das hört man nun nicht gerade zum ersten Mal, doch macht die gewissenhafte Umsetzung dies wieder wett. Allerdings ist ein empfindlicher inhaltlicher Schnitzer zu bemerken, der von Autor Marc Freund schon ganz kräftig überbügelt wurde, denn worin die Toten ertrunken sind, hätte sowohl der Leichenbeschauer als auch van Dusen selbst leicht erkennen müssen.

Gerade „Die Denkmaschine“ Professor van Dusen verfügt über eine sehr dankbare Hörspielvergangenheit. Erdacht wurde die Figur des Wissenschaftlers und Amateurkriminologen – mit deutlichen Sherlock Holmes-Anleihen – von dem Amerikaner Jacques  Futrelle, der 50 van Dusen-Kurzgeschichten verfasst hat. 1978 startete Michael Koser für RIAS Berlin eine Radio-Hörspielreihe um den Amateurkriminologen, von denen lediglich sechs Fälle auf Originalgeschichten Futrelles basierten, und die es ungeachtet dessen auf 77 Folgen brachte, ein ähnliches Phänomen also wie bei den DREI ???. So darf Michael Koser wohl als wenigstens gleichwertiger van Dusen-Autor genannt werden, der auch seine eigene Handschrift in die Fälle einbrachte. „Michael Koser, geboren 1938 in Berlin, reicherte Futrelles Professor um Sprachwitz und eine gehörige Portion Ironie an, was neben den ausgefeilten historischen Kriminalfällen für den anhaltenden Erfolg der Serie verantwortlich war.“ (Quelle: Allscore Media). Man kann also sagen, dass Augustus van Dusen – zumindest in Deutschland – schon von jeher prominenter im Hörspiel zuhause war, als in der Literatur.

Auch wenn das Konzept der „Neuen Fälle“ oder „Neuen Abenteuer“ bekannter Figuren derzeit reichlich strapaziert ist, sollte der geneigte Krimihörer der Serie eine Chance geben. Immerhin steht die Produktionsgesellschaft Allscore Media für feine Hörspiele auf einem hohen Qualitätslevel, wie z.B. die „Neuen Fälle“ von Sherlock Holmes (mit der Maritim-Besetzung) zeigen, die derzeit kräftig auf Folge 30 zusteuert. Überdies hat dieser erste neue Fall den besonderen Segen von van Dusen-Hörspiel-Mastermind Michael Koser, denn es handelt sich laut Allscore Media um die genehmigte Umsetzung eines seiner Originaltreatments. Und tatsächlich ist der Neustart kaum weniger unterhaltsam ausgefallen als die bekannten Radiofälle. Ursprünglich war der Fall „Spukhaus“ von Koser zwischen den Radiofällen 10 und 11 angesiedelt, in der Ursprungsversion jedoch zu lange für eine Hörfunkfolge. Es darf angenommen werden, dass das Treatment für die vorliegende Veröffentlichung ordentlich überarbeitet wurde, da sie nun zeitlich direkt nach Radiofolge 45 PROF. VAN DUSEN UND DIE VERSCHWUNDENEN MILLIONÄRE angesiedelt ist, in der Penny DeWitt und Hutchinson Hatch eine Scheinehe eingehen. Skriptautor Marc Freund darf als verlässlicher und gut beschäftigter Hörspielschreiber gelten, der bereits Beiträge zu LADY BEDFORT, GESPENSTER-KRIMI, SHERLOCK HOLMES – DIE NEUEN FÄLLE verfasst hat.

FAZIT
Liebevoll und gewissenhaft produzierter Neustart, der Michael Kosers Professor van Dusen ohne Einschränkung nahtlos weiterführt.

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