Elena Maar: Das Purgatal – Unheimliche Geschichten

purgatalTredition GmbH, Hamburg, 2012
Taschenbuch, Kurzgeschichten/Horror/Mystery/Phantastik, ISBN: 978-3-8491-0197-8, 104 Seiten, 8,50 EUR
Coverbild: Norvhic Fernandez Austria

http://www.elena-maar.com/
https://homeofjoan.com
https://tredition.de
http://xetobyte.deviantart.com/
https://www.facebook.com/norvzjunker

„Purga war ein wahres Juwel an Geschichten für eine Autorin. Da war zum Beispiel die alte Frau, mit ihren unzähligen Katzen. Jeder im Ort hielt sie für eine Hexe. Oder der arme Psychologe, der in seiner Praxis ausgeblutet aufgefunden worden war. Und es gab das verlassene Haus am Ende der alten Hauptstraße, in dem gleich drei Menschen von einem ehemaligen Banker ermordet worden waren. Und nicht zu vergessen die haarsträubende Legende von der Malerin, die sich selbst vor den Bus stieß.“
(Joan Quade)

Die Malerin
Eines Tages beschließt die chronisch zänkige und unzufriedene Malerin Esther, das provinzielle Purga zu verlassen, wo ohnehin niemand ihre Fähigkeiten zu würdigen weiß. Gerade als der lokale Linienbus an die Haltestelle einfährt, erhält Esther einen Schubs, der die vor die Räder des Fahrzeugs befördert. Die Zeichen stehen schlecht, doch Ester überlebt den Unfall und ist plötzlich in der Lage, besser und schärfer zu sehen und überhaupt alles, was den normalen Menschen verborgen bleibt. Und jedes Jahr treibt es sie am Tag ihres Unfalls an die Bushaltestelle.

Das Katzenhaus
10 Jahre nachdem Christine Purga verlassen hat, kehrt sie zum ersten Mal zurück, ahnungslos warum sie gerade hier und jetzt von der Autobahn abfährt. Ihr Weg führt sie zu dem alten Tümpel nahe des „Hexenhauses“, wo sie einst unabsichtlich eine Katze ertränkt hatte. Von ihren Erinnerungen überwältigt, will sie den Ort verlassen, doch die Bewohnerin des Hauses hat sie bereits gesehen und lädt die junge Frau auf einen Tee in ihr Haus ein.

Stromausfall
Mitten im schönsten Mattscheiben-Zombie-Massaker nimmt Susans Mann den muffigen Geruch im Haus wahr. Kurz darauf folgt der Stromausfall. Orientierungslos bewegt er sich durchs Haus auf die Straße. Kein Mensch ist dort außer ihm. Auch Susan ist verschwunden. Dann hört er in der Ferne die seltsamen Stimmen.

Der makellose Tod
Wegen einer Sinnkrise sucht die Chirurgin Ava den Therapeuten Erik auf. Dinge, Taten, die ihr von großer Wichtigkeit waren, verlieren zunehmend an Bedeutsamkeit, so dass sie sich leer und nutzlos fühlt. Doch in einer einzigen Sitzung gelingt es Erik zum Kern der Sache durchzudringen und Ava zu heilen.

Kalt
Als Karl den Anzugtypen mit seinem Metallkoffer in dem Abbruchhaus verschwinden sieht, weiß er, dass gleich viel Geld den Besitzer wechseln würde. Er geht hinterher und macht kurzen Prozess mit dem Typen. Doch plötzlich tauchen die Geschäftspartner des Typen auf und das Geschehen nimmt einen mehr als seltsamen Verlauf.

Menschentier
Bei der Suche nach Waldbeeren übermannt den dicken Sven die Müdigkeit und er gönnt sich gleich hier, mitten im Wald, ein Nickerchen. Der Jäger Anton währenddessen glaubt, ein selten fettes Wildschwein im dichten Gras liegen zu sehen. Doch sein Schuss verletzt das Vieh nur. Es kommt zu einer halsbrecherischen Jagd durch den Wald und Sven fragt sich, welcher Verrückte da auf ihn schießt.

Joan Quade
Um endlich ihren Roman beenden zu können, hat Joan Quade das heimatliche Oregon verlassen und ihre Zelte so lange im deutschen Purga aufgeschlagen. Nachdem sie sich eingestanden hat, dass die Ortsveränderung nichts gebracht hat, ist sie bereit, nach anderen Mitteln zu greifen. LSD soll ihrer Kreativität auf die Sprünge helfen. Fantasie, Wahnvorstellungen und Wirklichkeit vermischen sich.

„Vor zehn Jahren war Christine das letzte Mal hier, in diesem kleinen Dorf in Brandenburg. Damals war sie zwölf Jahre alt und beobachtete, wie ihre Eltern sämtliche Habe der Großeltern verpackten. Christines Großvater war recht unspektakulär in der Nacht zu einem 30. August verstorben. Sie erinnerte sich, wie ihre Mutter mit ihrem Vater tuschelte, dass der Großvater noch am Abend, bevor er entschlummerte, zu ihr sagte: „Geh fort! Geh fort aus Purga, und komm nicht wieder!“
(Das Katzenhaus)

MEINUNG
Als Klammer für Elena Maars Kurzgeschichten dient das Örtchen Purga in Brandenburg, nahe Berlin, in dem sich laut der legende das Tor zur Hölle befinden soll. Nicht umsonst erinnert der Ortsname an „Purgatorium“. Davon ahnen die Protagonisten in Elena Maars Geschichten freilich nichts.

Die Geschichten sind durchweg überraschend, voller Ideen, doch zu kurz und nüchtern um wirklich einen lang anhaltenden Eindruck zu hinterlassen. Ganz gut vergleichbar mit dem Privatdruckprojekt SPIEGELBERG von Tia und Alfred Berger, das auch in Richtung Regional-Horror geht. Dessen ungeachtet bildet DAS PURGATAL durch die regionale Verbundenheit und durch winzige Verknüpfungen der Geschichten untereinander insgesamt eine sehr schöne Einheit. Ein besonderes Schmankerl ist dahingehend die Abschlussgeschichte JOAN QUADE, in der die vorhergehenden Ereignisse nochmals zusammengefasst und abgerundet werden. Auf der Webseite der Autorin https://homeofjoan.com (eine Anspielung auf Joan Quade) hat die Autorin selbst viele Verbindungen der einzelnen Geschichten untereinander offen gelegt.

Laut der Autorenvita, die im Buch enthalten ist, ist die Kurzgeschichtensammlung DAS PURGATAL eine Art Nebenprodukt von Elena Maars Roman DAS FAHLE MÄDCHEN, der ebenfalls in Purga spielt. Ideen, die ihr während der Arbeit an dem Roman kamen, sie dort nicht verwendet und stattdessen in diese sieben Kurzgeschichten gegossen hat.

FAZIT
Ländlicher Heimathorror aus Brandenburg. Wem zum Beispiel die Geschichtensammlungen von Daniel Mosmann gefallen, der erlebt auch hier keine Enttäuschung.

 

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