Gilbert Keith Chesterton, Markus Winter: Der Hammer Gottes

pater_brown_03Serie: Die rätselhaften Fälle des Pater Brown 03
Originaltitel: The hammer of god
Winterzeit Verlag und Studio, 25. Dezember 2014
1 Audio-CD im Jewel Case, Inszenierte Lesung, Krimi, ISBN-13: 978-3-94373-273-3, ca. 46 Min
Buch, Regie und Produktion: Markus Winter
Sprecher: Erich Räuker, Alexander Döring, Brigitte Carlsen, Sven Hasper, Till Hagen
Musik: Manuela Trutte, Winterzeit
Covermotiv und –gestaltung von Mark Freier
Altersempfehlung: Ab 10 Jahre!
Nach der Kurzgeschichte „The hammer of god“ von Gilbert Keith Chesterton

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„Als Arzt kann ich nur bestätigen, was Mr. Gibbs gesagt hat. Er ist mit einem einzigen Hieb getötet worden. Und es war ein gewaltiger Hieb. Ausgeführt von einem Mann, der über unglaubliche Kraft verfügt. Der Schädel wurde in Stücke gehauen, wie eine Eierschale. Knochenstücke sind ins Hirn und durch dieses hindurch, bis in den lehmigen Boden gedrückt worden. So eine Wunde habe ich noch nie zuvor gesehen. Wer in der Lage ist, einen solchen Schlag auszuführen, und das auch noch von oberhalb des Kopfes, muss erstens sehr groß und zweitens übermenschlich kräftig sein.“

STORY
Der Schuster Gibbs sucht den örtlichen Pater Wilfried Bowen eilig in seiner Kirche auf. Der Bruder des Geistlichen, Oberst Norman Bowen, liegt tot im Hof der benachbarten Schmiede, erschlagen mit einem Hammer. Neben dem Pater findet sich eine Zahl weiterer Männer bei der Leiche ein, u.a. der Arzt des Ortes, Chief Inspector Kraven und auch Pater Brown aus dem benachbarten Edenbridge. Da der Tote zu Lebzeiten als Lebemann bekannt war, dem Alkohol und den Frauen zugeneigt, der noch dazu ein Verhältnis mit der Ehefrau des Schmieds gepflegt hat, gehen alle Anwesenden von einem Verbrechen aus. Doch alle Theorien, alle Tatverdächtigen, die gemeinsam erörtert werden, müssen bei genauerer Betrachtung wieder verworfen werden. So war der Schmied selbst, der zweifellos die Kraft gehabt hätte, den Mann mit einem einzigen Hammerschlag zu töten, zum Tatzeitpunkt gar nicht im Ort. Seine Ehefrau, die das Verhältnis mit Norman Bowen beendet hatte, verfügt zweifellos nicht über die Kraft, einem Mann den Schädel derart zu zertrümmern. Auch der als schwachsinnig geltende Neffe des Schmieds gerät unter Verdacht und sogar der Priester selbst, der den Lebenswandel seines Bruders und den öffentlichen Ehebruch keineswegs gut geheißen hat. Am Ende ist sogar von einer höheren Gerichtsbarkeit als der menschlichen die Rede. Pater Brown jedoch glaubt in diesem Fall nicht an das Wirken höherer Mächte und hegt einen ganz anderen Verdacht.

„Nun, zunächst einmal kann ich ihnen sagen, dass der Schmied sich geirrt hat. Es war kein Wunder, dass Oberst Bowen ereilte. Ganz im Gegenteil. Es war ein simples Naturgesetz. Erinnern sie sich, wie der Schmied, trotz seines Wunderglaubens, spöttisch davon sprach, dass sein Hammer wohl kaum Flügel bekommen, und eine halbe Meile übers Land geflogen sei. […] Nun, unter all den möglichen und unmöglichen Geschichten, die wir heute gehört haben, war es diese, die der Wahrheit am nächsten kam.“

MEINUNG
Als Teil 3 der Hörbuch-Serie wurde Originalgeschichte Nummer 9 aus dem ersten Pater Brown-Band von Gilbert Keith Chesterton ausgewählt. Da die Geschichten allerdings weitestgehend in sich abgeschlossen sind, treten keine Verständnisschwierigkeiten auf. Wie schon (Hörbuch-)Folge 2, DIE SELTSAMEN SCHRITTE, die ausschließlich im Londoner Vernon Hotel spielte, vermittelt auch DER HAMMER GOTTES durch den gleich bleibenden Spielort, das Gefühl, einem Theaterstück beizuwohnen, in dem sich eine Gruppe Menschen um einen Leichnam gruppieren, um dort abwechselnd ihre Theorien von einem möglichen Tathergang und Täter vorzustellen. Das klingt steif, wirkt aber dank der fabelhaften Inszenierung wunderbar entschleunigt. Eine angenehme Portion Rätselhaftigkeit sorgt außerdem für anhaltende Spannung. Und mit einer Laufzeit von rund 45 Minuten ist die überschaubare Handlung auch nicht über Gebühr geweitet.

Wieder führt die Erzählerin Brigitte Carlsen äußert stimmungsvoll in das Geschehen ein. In diesen Szenen kommt auch die elegante Sprache Chestertons voll zur Geltung.

Die Geschichte an sich ist sehr übersichtlich aufgebaut, alle vorgebrachten Theorien klingen zunächst glaubwürdig, was das Mordmotiv angeht, doch ebenso plausibel werden die Beschuldigungen stets wieder entkräftet. Und man sieht Pater Brown förmlich vor sich, der sich alles anhört, parallel jedoch scheinbar unbeteiligt seine Blicke schweifen lässt, sich alles genau besieht und sich eine eigene Theorie über den Vorfall bildet.

Hier kommt die starke Besetzung zum Tragen, die ohne jede Effekt-Hilfe tatsächlich mit ihren Stimmen schauspielern muss. Lediglich der Schmied, der später einmal herrschsüchtig genannt wird, drückt sich unpassend hochsprachlich und gewählt aus.

DAS HÖRBUCH
Die Winterzeit-Politik, ihre Hörprodukte – aus welchen Grund auch immer – vorwiegend als inszeniertes Hörbuch oder inszenierte Lesung zu betiteln ist im Fall PATER BROWN eine deutliche Untertreibung. Man hat hier ein eindeutiges Hörspiel vor sich, das mit einer Erzählerin, verteilten Rollen und eigens komponierter Musik aufwartet. Wie von Winterzeit gewohnt, brillant inszeniert und insgesamt einfach eine runde Sache.

Für eingefleischt Hörspiel-Fans zitiert der Pater am Ende sogar aus „Sherlock Holmes“, den er hinter dem Mikrofon hier in stimmlicher Gestalt von Till Hagen (SHERLOCK HOLMES CHRONICLES) trifft.

FAZIT
Wunderbar entschleunigtes Krimi-Hörspiel für alle die keine Action satt benötigen, um sich gepflegt unterhalten zu lassen.

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