A. J. Grayson: Boy in the Park – Wem kannst du trauen?

cover_boy-in-the-parkOriginaltitel: Boy in the Park
USA, 2016
Argon Hörbuch, Berlin, 01. August 2016
Download, Krimi/Psychothriller/Mystery, ungekürztes Hörbuch, ca. 513 Min, 20,95 EUR
Gesprochen von: David Nathan
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet
Coverbild von Arcangel/Reilika Landen
Covergesatltung: ZERO Werbeagentur, München
Die Buchausgabe ist erschienen im Droemer Verlag

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„Ich bin, stelle ich fest, etwas verwirrt. Dort ist es mir gar nicht so sehr aufgefallen. Seit dem aber lässt es mir keine Ruhe mehr. Seit eineinhalb Jahren teilen dieser Junge und ich uns den Teich und bis heute habe ich ihn nie mit einer Verletzung gesehene. Nie eine Beule, nie einen Kratzer. Aber heute das Blut auf seinem Arm, das beunruhigt mich mehr, als es eigentlich sollte.“

STORY
Seinen “Himmel” nennt Dylan Aaronsen, Angestellter eines Naturkostladens in San Francisco, die Stelle im Botanischen Garten des Golden Gate Parks, wo er seine Mittagspausen auf einer Bank nahe des dortigen Teiches verbringt und die Ruhe der Umgebung genießt. Seit etwa anderthalb Jahren sieht er dort regelmäßig einen kleinen Jungen, der stets alleine an dem Teich spielt. Als Dylan eines Tages blaue Flecken am Arm und Blut an der Kleidung des Jungen bemerkt, ist er alarmiert. Er entschließt sich, den Jungen tags darauf anzusprechen, zu fragen, ob alles in Ordnung ist, wird dann aber Zeuge, wie dieser in ein Gebüsch gezerrt wird und danach verschwunden ist. Als der Junge am Folgetag nicht auftaucht, wendet sich Dylan an die Polizei, der Dylans Geschichte jedoch zu vage erscheint, um irgendwelche Ermittlungen aufzunehmen. So versucht er selbst herauszufinden, was im Park passiert sein könnte. Eine Spur führt Dylan aufs kalifornische Land, wo es ihm tatsächlich gelingt, den Jungen aufzuspüren und wo sich auch sein Verdacht der Misshandlung bestätigt. Doch dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen.

„Ich dachte angestrengt nach aber mir wollte nichts mehr einfallen, was ich fragen könnte. Außer ich zog die Quittung aus der Tasche und sagte „Ich suche den Jungen, der das hier gekauft hat, der in einer Latzhose herumläuft und den ich eineinhalb Jahre in San Francisco einem Park gesehen habe.“ Aber danach wäre sicherlich die Schrotflinte hinter den Tresen hervorgeholt worden. Ein weiteres Klischee von dessen Gültigkeit ich nach wie vor überzeugt war.“

MEINUNG
Alles fängt so gemütlich an und man wähnt sich fast in einer Stephen King-Geschichte, so wie A. J. Grayson zunächst den gleichförmigen Alltag und die wohlgeordnete Komfortzone seines Protagonisten Dylan eingehend beschreibt. Auch Dylans Charakterisierung als eingefahrener Traditionalist, der oft verklärt in die Vergangenheit blickt und die skurrilen Auswüchse des modernen Lifestyle, mit denen er besonders an seiner Arbeitsstelle konfrontiert wird, gerne mal mit sarkastischen Gedanken kommentiert, erinnert sehr stark an Kings Figuren. Doch dann geschieht etwas, was Dylan aus seinem Trott reißt und was er nicht ignorieren kann, ist ihm der namenlose Junge, den er fast tagtäglich sieht, doch über die Monate ein stummer Vertrauter geworden, eben ein Teil seines alltäglichen Einerleis.

Als Dylan den Aufenthaltstort des Jungen – offenbar das Haus seiner Familie – fast 400km von San Francisco entfernt ausfindig gemacht hat, wechselt Autor A. J. Grayson plötzlich die Perspektive, springt zurück ins Jahr 1974 und schildert das wenig erbauliche Familienleben der Warricks in dem der Vater ob seiner eigenen Bedeutungslosigkeit gerne mal einen über den Durst trinkt und seine Familie mit locker sitzender Faust regiert, denn schuld sind immer die Anderen. White Trash par excellence.

Dem unvermittelten Auftauchen einer weiteren Figur folgt ein Ereignis, das Dylan vollends aus der Bahn wirft, und ihm sowie dem Leser den Boden unter den Füßen wegzieht. Doch erweist sich dies als einsame Aktionsspitze innerhalb der Spannungskurve, die recht bald wieder verflacht und viel zu lange und ereignislos ausläuft.

Unterbrochen wird diese Geschichte immer wieder von dem Gespräch eines gewissen Joseph mit einer Psychologin, die ihn nach und nach des Lügens überführt. Doch scheint sich der Befragte gar nicht im Klaren darüber zu sein, dass er die Unwahrheit sagt. Bedächtig nähert sich dieser Teil der Hauptgeschichte an, der Leser kann nach und nach Parallelen finden und Zusammenhänge vermuten. Dieses Manöver des Autors zur Spannungserzeugung ist zwar von Anfang an durchschaubar, funktioniert aber einwandfrei.

So ahnt der erfahrene Konsument von Psychothrillern schon früh, dass der Schlüssel zur Entwirrung dieser seltsamen Angelegenheit in den Identitäten der Personen begründet liegt. Möglicherwiese spielt Schizophrenie eine Rolle. Doch wer wer ist, das gilt es herauszufinden. Anfangs funktioniert das sehr gut, doch verkommen die dosierten Häppchen, die der Autor dem Leser hinwirft, mit der Zeit zur bloßen Effekthascherei. Dazwischen herrscht einfach zu lange Leerlauf, um den Leser durchgehend bei der Stange zu halten. Die immer wiederkehrenden kleinlichen Beschreibungen und poetischen Wiederholungen mögen Dylans selbstgewählter Profession als Dichter geschuldet sein, gehen jedoch merklich auf Kosten des Tempos und nagen irgendwann nur noch am Geduldsfaden des Publikums. Das Ende, das die Geschichte aufklärt, ist dann recht unvermittelt und unelegant angepappt. der angestrebte Aha-Effekt bleibt aus.

DAS HÖRBUCH
Die Stimme von David Nathan verstärkt den anfänglichen Eindruck, sich in einem Stephen King-Roman zu befinden, denn der Synchronsprecher von Johnny Depp ist seit einigen Jahren der Stammleser für die Romane des „Horror-Kings“. Einiges kann er mit seiner akustischen Schauspielerei retten, doch vermag auch er nicht, dass zumindest in der zweiten Hälfte die Gedanken ob der Ereignislosigkeit immer wieder abdriften.

Die ungekürzte Lesung mit 513 Minuten Länge ist exklusiv als Audible-Download erhältlich. Die autorisierte Lesefassung, die als Download- und CD-Version über den Argon Verlag und den normalen Vertrieb erhältlich ist, läuft 422 Minuten und ist wahrscheinlich die kurzweiligere Wahl

FAZIT
Trotz seiner fast trägen Entwicklung nimmt das Thriller-Drama seine Leser mit seiner Rätselhaftigkeit anfänglich gefangen. Die zweite Hälfte gestaltet sich dagegen unnötig zäh und langweilig, so dass auch die plötzliche Auflösung der Ereignisse nichts mehr reißt.

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