M. F. Hakket: Böses Wesen Gier

Blutwut-Verlag, Sulzbach, September 2019
Ebook, epub, Thriller/Mystery/Fantasy/Drama, ISBN: 978-3-948168-04-9, entspricht 382 Taschenbuchseiten. 4,99 EUR
Zeichnung: Markus Müller / http://www.markusmueller.wix.com/5mkunst
Umschlaggestaltung und Konzeption: M. F. Hakket
Leseempfehlung: Ab 14 Jahre!
Das Buch wurde vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

www.blutwut.de

„Ihr Menschen macht immer weiter, bis es kein Zurück mehr gibt. Ihr hört nicht auf, wenn es genug ist. Ihr werdet erst wach, wenn euch eure Schuld auf die Füße fällt. Ihr erhebt euch über alles und jeden und glaubt, ihr seid so klug. Dabei hört das dümmste Schwein auf zu fressen, wenn es nicht mehr kann. Und wenn ihr vor Völlerei platzt, macht ihr den Teufel verantwortlich.“

STORY
Im 6000-Seelen-Kaff Coppenbroich soll an Stelle der leerstehenden alten Beers-Villa, um die sich einige seltsame Gerüchte ranken, ein modernes Spielcasino entstehen. Ein Vorhaben, das die neunjährige Katharina „Kati“ Sandfels auf merkwürdige Weise beschäftigt; ein neugieriger Besuch des brachliegenden Geländes bestürzt das Mädchen über die Maßen. Zudem scheint dies der Auslöser für beunruhigende Visionen zu sein, die Kati von da an heimsuchen. Immer wieder erblickt sie ein Mädchen, das ihr zum verwechseln ähnlich sieht.

Sobald das Casino eröffnet ist, geraten ihre ansonsten vernünftigen und liebenden Eltern in den Bann der dort stattfindenden Spiele. Der Handel mit Aktien und Optionen bestimmt bald das Leben von Thomas und Ingrid Sandfels, deren familiäres und gesellschaftliches Leben binnen kurzem zum Erliegen kommt. Das Dasein der Erwachsenen wird zunehmend von Habsucht bestimmt, von der Jagd nach der nächsten Hausse und von Enttäuschung und Wut, wenn diese verpasst wurde.

Verzweifelt beginnt Kati zur Vergangenheit des Ortes zu recherchieren und erfährt, dass bereits die alte Villa der Beers einen Anbau hatte, der als Spielhaus genutzt wurde. Ebenso wie die Beers eine Tochter namens Katharina hatten, die Kati wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

„Kati war nicht dumm. Ihr Verstand versuchte ihr klarzumachen, dass es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen den seltsamen Sachen, die seit einiger Zeit passierten, gab. Das alte und jetzt erneuerte Gelände musste damit zu tun haben. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Oder war das alles nur Zufall? Ihre Gedanken glichen feinen Spinnweben, die etwas miteinander verbinden wollten, aber immer wieder rissen.“

MEINUNG
Die Genre-Mischung die M. F. Hakket mit „Böses Wesen Gier“ abliefert, ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Wild mixt der Autor Drama, Mystery, Coming-of-Age und Fantasy und am Ende entsteht aus ganz gewöhnlichen Elementen, die man alle schon mehrmals gelesen hat, ein mehr als ungewöhnliches und packendes Ganzes.

Alles beginnt mit einem Szenario, das an Stephen Kings „In einer kleinen Stadt“ erinnert. Die okkulte Vereinnahmung der Erwachsenen einer ganzen Ortschaft, ausgehend von einem Punkt, der bereits in der Vergangenheit den Keim des Bösen getragen hat. Als Kati diesem Ort zu nahe kommt, wird etwas in ihr erweckt, Ereignisse beginnen sich zu wiederholen und es ist zunächst nur klar, das dem Mädchen eine besondere, schicksalhafte Bedeutung innerhalb der geheimnisvollen Ereignisse zukommt.

Der Aufbau des Romans ist in diesem Punkt geschickt gestaltet, denn lange Zeit wird nicht erschöpfend erklärt, was es mit den beiden Katharinas auf sich hat, deren Geschichten sich parallel entwickeln. Erst nach und nach gibt der Autor Hinweise, durch die man die beiden Handlungsstränge gegenüberstellen und einordnen kann. Fakt ist, dass beide Mädchen im Grunde dasselbe erleben, nämlich dass ihre Eltern – und auch andere Erwachsene – immer mehr von der Gier beherrscht werden und alles andere vergessen.

Diese „Gier“ stellt der Autor als körperloses Wesen dar, das die Menschen in seinen Bann zieht und dem die auserwählte, jugendliche (reine!) Heldin, schließlich mit „Fantasy-Methoden“ zu Leibe rücken muss. Und das ist keinesfalls abwertend gemeint.

Garniert wird die Handlung noch mit typischen Elementen eines Jugendromans. Eine nächtliche Mutprobe findet statt, es kommt zu einer Zerreißprobe zwischen Kati und ihrer Freundin, und überhaupt agieren die Mädchen gänzlich außerhalb der korrumpierten Erwachsenenwelt.

Auch wenn sich das nach einem undisziplinierten Genre-Clash anhört, behält der Autor stets die Zügel in der Hand und macht „Böses Wesen Gier“ in seiner Gesamtheit zu einer runden Sache und darüber hinaus zu seiner ganz eigenen Schöpfung. Den Namen M. F. Hakket sollte man sich unbedingt merken.

Der Roman ist bereits 2018 unter dem Titel „Der Preis, den zu zahlen musst“ via Self-Publishing erschienen.

FAZIT
Außergewöhnlicher Genre-Mix, der erstaunlich gut funktioniert. Beeindruckend!

2 Kommentare

  1. Weil ich dieses Buch such so klasse fand, poste ich hier einfach mal meine Rezension als Kommentar, ich hoffe das ist ok.
    Ich durfte das Buch
    “ Böses Wesen Gier “ von M.F.Hakket lesen.
    Sowohl das Cover als auch der Klappentext verheissen nichts Gutes und machen aus dem Grund sehr neugierig.
    Die Protagonisten wie auch die wichtigen Orte sind toll beschrieben, so daß man gleich ein Bild vor Augen hat. Man hat von Anfang an das Bedürfnis das Buch in einem durchzulesen und es nicht aus der Hand zu legen.
    Ein toller Spannungsaufbau, der im Laufe des Buches mehr und mehr gesteigert wird. Es passieren mysteriöse Dinge, die den Leser auf eine unglaublich spannende Reise mitnehmen.
    Es werden zwei Geschichten parallel erzählt was mich anfangs etwas verwirrt hat aber letzten Endes zu dieser Spannung in erheblichem Maß beigetragen hat und die Konfrontation von Kathi mit sich selbst sehr deutlich macht.
    Es geht in diesem Buch um die schlimmsten Sünden, nämlich Gier und Maßlosigkeit, was sie aus einem Menschen machen und wie schnell man in einen Teufelskreis gerät, der schlimmer nicht sein kann. Wie sich aus einem zunächst harmlosen Zeitvertreib eine Sucht entwickeln kann mit all ihren Facetten das wird hier grandios beschrieben.
    Es gab sie schon immer und es wird sie immer geben, man kann sie vielleicht für kurze Zeit beenden wenn man auf brutale Art und Weise darauf gestoßen wird und der Verlust all seiner Werte, Tugenden und vor allem geliebter Menschen droht. Dann aber ist es zu spät.
    Mich hat dieses Buch wirklich gepackt.
    Es regt zum Nachdenken an und ist auf die heutige Zeit im sozialen wie im politischen Sinne sehr gut übertragbar.
    Es fordert alles seinen Tribut und das sollte man zu keiner Zeit vergessen.
    Sehr lesenswert und nur zu empfehlen.

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