Ian Rolf Hill: Das untote Kind

John Sinclair 2082
Bastei Lübbe, Köln, 05. Juni 2018
Heftroman, Horror/Thriller, keine ISBN, 68 Seiten, 1,90 EUR
Covermotiv: Anton Watman; Gehrke/shutterstock
http://www.bastei.de/
https://www.john-sinclair.de/
http://www.florian-hilleberg.net/

„Karina sah die Naht, die sich aus dem Ausschnitt des dunklen Kleidchens wand und revidierte ihren eben aufgekommenen Gedanken. Zumindest eine Freundin war ihr geblieben. Ein untotes Kind, das sie aus der Flammenhölle von Rasputins Horror-Labor gerettet hatte.“

STORY
Mit Hilfe des Zombie-Mädchens Galina Smarow kann Karina Grischin aus Rasputins Todesbunker entkommen (siehe JS 1079 u. 1080). Chandra, die Kugelfeste, eine Anhängerin Rasputins, nimmt die Verfolgung der beiden Flüchtigen auf. Ohne ein konkretes Ziel vor Augen zieht Galina ihre verletzte Freundin auf einem Handkarren durch den endlosen Wald, beschafft ihr Nahrung, versorgt ihre Wunden und beschützt sie vor den hungrigen Tieren des Waldes.

Gleichzeitig wird die Soldatin Irina Makarow als Mörderin ihres Vorgesetzten Jegor Sokolow, der such unter Rasputins Einfluss selbst getötet hat, verhaftet. Ein taktisches Manöver, um sie dazu zu bringen John Sinclair erneut um Hilfe zu bitten.

„Ich weiß doch auch nicht, was mit mir ist, Kukolka. Bitte sei nicht böse mit mir. Es passiert einfach und ich kann nichts dagegen machen. Ich kann ganz lange nichts essen und dann bekomme ich auf einmal ganz doll Hunger. Aber nicht auf Süßigkeiten, wie früher, sondern auf … auf Fleisch und Blut und so Sachen.“

MEINUNG
In „Das untote Kind“ führt Ian Rolf Hill die Ereignisse aus dem Zweiteiler „Die Rasputin-Offensive“ und „Das Frankenstein-Protokoll“ fort. Dabei konzentriert er sich auf die Nebenfiguren Galina Smarnov und Karina Grischin. Und wenn man den Roman gelesen hat, versteht man, warum das Zombie-Mädchen den Autor nicht losgelassen hat. Ganz richtig hat Ian Rolf Hill erkannt, dass aus dieser merkwürdigen Freundschaft noch eine kraftvolle emotionale Komponente herauszuholen ist.

Im vorliegenden Roman ist Galina nun unumwunden die Heldin, die alles daransetzt, Karina aus einem gottverlassenen Niemandsland wieder in bewohntes Gebiet zu bringen, wo sie medizinisch versorgt werden kann. Dabei lebt der Roman von dem Verhältnis zwischen den beiden. Karina sieht sich einem Wechselbad von Ekel, Wut, Mitleid und Respekt vor dieser bedingungslosen Zuneigung ausgesetzt; Galina vereint die Naivität eines Kleinkindes mit dem Beschützerinstinkt einer Löwin.

Hill schafft außerdem Bilder, die innerhalb der Serie ihresgleichen suchen: Karina, die dem Tode näher ist als dem Leben, wird von dem singenden untoten Mädchen auf einem Handkarren gezogen, wie eine Maschine, ohne Pause, allein mit dem Ziel ihre Freundin zu retten. Und daneben trottet ein dreibeiniger Hundezombie.

Gegen die emotionale Wucht, die sich daraus ergibt, verblasst nahezu alles, was sonst noch passiert und was auch bis dahin keine große Rolle spielt. Denn obwohl es nicht ins Heft eingedruckt ist, ist „Das untote Kind“ wieder der erste Teil eines Zweiteilers bzw. kann der Roman auch als dritter Teil zu den oben genannten Nummern gelesen werden. Der Nachfolgeband „Chandras Jagd“ schließt direkt an.

FAZIT
Der Roman ist ein Zwischenspiel, das sich auf wenige Charaktere konzentriert und mit außergewöhnlichen, kraftvollen Szenen punktet.

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