Guido Krain: Die Zahnfee

Zander ermittel 1
Arunya-Verlag, Köngen, August 2020
ebook, Krimi/Thriller/Mystery, ISBN: 978-3-95810-036-7, 218 Seiten, 4,99 EUR
Covermotiv und Innengrafiken:Shikomo
http://krain.de/
https://www.arunya-verlag.de

„Eigentlich freute ich mich auf die Kollegen, doch als ich näher kam, wurde die Freude deutlich gedämpft. Was auch immer passiert sein mochte, war in einem kleinen zweistöckigen Häuschen geschehen. Ein Mäuerchen trennte den winzigen Vorgarten von der Straße ab. Und an diesem lehnte ein junger Kollege in Uniform, dessen Hautfarbe in einem Käsegeschäft als Camouflage durchgegangen‘ wäre. Offenbar erwartete mich bereits der nächste Horrorfall.“

STORY
Gerade noch hat Biker-Kommissar Tycho Zander nach einer wilden Nacht mit seiner Ex-Frau den Wecker verbummelt, da wird er von seinem Partner Colin direkt an einen Tatort beordert. Im Atlantic Hotel wurde eine Anwältin auf höchst unappetitliche Weise ermordet. Laut ersten Untersuchungsergebnissen wurde ihr der Kehlkopf herausgebissen, und zwar von einem Menschen. Ihre Verabredung des Abends, der Immobilienmakler Patrick Stolzer, gilt als dringedn verdächtig. Noch dringender, als dessen Frau ebenfalls tot aufgefunden wird, ermordet auf die selbe Weise. Stolzer kommt bei der Festnahme zu Tode, Fall gelöst. Doch es werden weitere Leichen mit herausgebissenen Kehlen gefunden. Als heißeste Spur, im doppelten Sinne, erweist sich die 19-jährige Pauline Francis, die ebenso gut Täterin wie mögliches Opfer sein könnte. Zu ihrem eigenen Schutz und um sie im Auge zu behalten nimmt Tycho Zander das Mädchen unter seine Fittiche.

„Immer wieder spielte ich absurde Verschwörungstheorien durch. Derzeit grübelte ich darüber nach, ob ein Irrer vielleicht mit Hilfe eines Zahnabdrucks eine künstliche Version von Fallantuers Gebiss angefertigt und auf eine Art Zange montiert hatte. So hätte der Mörder bequem den Mord verüben und Fallantuer anhängen können.“

MEINUNG
Der Fall „Zahnfee“ führt den wortkargen und zynischen Tycho Zander an seine Grenzen. Gerade scheint alles klar und der Fall gelöst, da geht es erst richtig los. Grausam zugerichtete Leichen, die im Doppelpack mit ihren ebenfalls toten Mördern aufgefunden werden. Als wären Täter, die andere Menschen wie ein Tier zu Tode beißen nicht schon übel genug. Und keine Verbindung zwischen den Personen. Dazu nervt ständig Zanders Kollege Colin, der immer wieder seine Werwolf- und Hokus-Pokus-Theorie anbringen will.

Eine Zeugin, die ebenfalls als Mörderin in Frage kommt, könnte die Ermittlungen weiterbringen, doch sie kann sich an nichts erinnern. Und langsam aber sicher verknallt sich der Kommissar in die bezaubernde und dezent durchgedrehte Pauline Francis.

Guido Krain spielt gekonnt mit den Werkzeugen aus der Klischee-Kiste, so dass „Die Zahnfee“ auf der reinen Thriller-Ebene sehr gut funktioniert – da   taucht noch ein anonymer Zeuge auf und die Spur deutet plötzlich zu einem mysteriösen Entwicklungshilfeprojekt, das Jahre zuvor aus ungeklärten Gründen aufgegeben wurde.

Daneben jedoch, unerwartet und gar nicht klischee-mäßig, entwickelt sich das Verhältnis des bärbeißigen Kommissars mit dem kurzen Geduldsfaden zu seinem Schützling. Die beiden hängen in Zanders Bude ab, albern herum wie die Kinder und landen sogar zusammen im Bett, obwohl Pauline eigentlich auf Frauen steht. Von den andauernden bissigen Kommentaren Zanders einmal ganz abgesehen. Da bleibt kein Auge trocken.

Diese Mischung aus blutigem Mystery-Thriller und schrägem Humor kann man getrost als unorthodox bezeichnen. Doch Guido Krain hat den Spannungsfaden stets fest in Händen und sorgt dafür, dass die Story nicht entgleist. Ganz im Gegenteil, denn selbst der unerwartete Beischlaf trägt sein Scherflein zur Lösung des Falles bei.

Bei der Ausgabe des Arunya-Verlages handelt es sich um eine Neuauflage des Romans, der bereits 2016 unter dem Titel „Victims – Das Werwolf-Phänomen“ bei Knaur erschienen ist. Beim Arunya-Verlag findet man noch den Reihenzusatz „Zander ermittelt“, so dass man auf weitere Fälle des Kommissars hoffen kann.

FAZIT
Wer „nur“ einen Thriller erwartet, wird möglicherweise enttäuscht werden, wer sich dagegen gerne überraschen lässt, dem sei der erste Fall von Tycho Zander wärmstens empfohlen.

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