David Seinsche: Das Vermächtnis der Baba Jaga

Der Barde 2 (Hrsg.: Alisha Bionda)
Arunya-Verlag, Köngen, März 2020
eBook, Fantasy/Horror/Krimi, 97 Seiten, 2,99 EUR
Cover- und Innengrafiken: Shikomo
https://www.david-seinsche.de/
http://www.arunya-verlag.de/
http://ab.alisha-bionda.net/
https://www.deviantart.com/shikomo-de

„Die Frau nahm all ihren Mut zusammen, drehte sich langsam in die Richtung, aus der das Flüstern kam und öffnete die Augen einen Spalt weit. Nur wenige Meter von ihr entfernt stand ein Wesen, hell schimmernd wie ein Sonnenstrahl, der sich im Morgentau bricht.“

STORY
In der Taverne „Zum schwankenden Lampion“ präsentiert der Barde Manchego seinem lauschenden Publikum eine Geschichte, die ihn selbst über die Maßen berührt:

Jadwiga, genannt Jaga, lebt seit dem Tod ihrer Eltern allein mit ihrer Katze in einer Waldhütte. Regelmäßig besucht sie das Dorf ihrer Kindheit, wo sie aus Kräutern hergestellte Cremes und Salben verkauft und ihren Rat als Heilkundige anbietet. Als das Christentum Einzug im Land hält, erfahren die Missionare auch von Jaga, die inzwischen, als eine nicht mehr junge Frau, den Beinamen Baba trägt. Mehr als einmal gerät sie mit dem Inquisitor dieses neuen Glaubens aneinander, in dessen Riten sie eine Versklavung seiner Anhänger sieht.

„Seit einiger Zeit macht eine neue Religion von sich reden. Das Christentum, das angeblich schon seit Hunderten von Jahren existierte, hatte ihre Heimat für sich entdeckt. Vermehrt kamen Menschen in die Region die sich als Missionare vorstellten und den wahren Glauben verbreiten wollten.“

MEINUNG
Mit „Das Vermächtnis der Baba Jaga“ präsentiert Autor David Seinsche eine Erzählung, die auf sehr überraschende Weise mit dieser Figur aus der slawischen Mythologie umgeht. Oft wird Baba Jaga als alte, einsiedlerische und „durchweg bösartige“ (Wikipedia) Hexe dargestellt, die in einer Hütte auf Hühnerbeinen, genannt „Hütte des Todes“ lebt. Doch gibt es auch esoterische, naturverbundene Strömungen, die der Baba Jaga als wohlmeinende Erdmutter huldigen.

Da setzt auch Autor David Seinsche an und arbeitet auf unverbrauchte Art die Ursprünge der Baba Jaga-Legende heraus. Er zeigt Jaga zuerst als junge Frau, die im Einklang mit der Natur und in Frieden mit den Menschen lebt, doch auch mit ihren Überzeugungen nicht hinterm Berg hält.

Als die christlichen Prediger ins Land kommen, wäre zu erwarten, dass Jaga, nach ihrer Kritik an den Methoden der Missionare, kurzerhand als Hexe gebrandmarkt, verurteilt und getötet wird. Doch Seinsche vermeidet eine solche vorhersehbare Entwicklung und macht stattdessen den Inquisitor, Jagas Gegenspieler, zu einer unerwartet ambivalenten und interessanten Figur, die ein besonderes und durchaus respektvolles Verhältnis zu der Frau aufbaut. Auch wenn der Autor am Ende die Geschichte nicht umschreibt.

Wie die Vorgängerbände bietet auch „Das Vermächtnis der Baba Jaga“ Stoff für einen gemütlichen Leseabend zwischen Folklore und Fantasy. Besonders stimmungsvoll wirkt dies, wenn die Tage wieder kürzer werden. Überzeugend ist der überraschende Verlauf der Story, ohne dass sich David Seinsche dabei in Effekthascherei flüchten muss.

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